„Über Wasser“  vom österreichischen Regisseur Udo Mauerer ist eine eindrucksvolle Reflexion über ein Grundelement unserer Existenz. Der Film zeichnet anhand dreier Schauplätze ein Bild des Elements Wasser: Lebenselixier in den Slums von Nairobi, seine Bedeutung für die Fischerdörfer am beinahe verschwundenen Aralsee und als Element existenzieller Bedrohung durch Erosion und Überflutung in Bangladesh.

 

Dabei thematisiert der Film durchgehend die Frage: Ist Wasser Ware oder Menschenrecht? Angesichts des noch immer ausstehenden Millennium-Goals, jeden Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen, eine relevante Zukunftsfrage. Wovon Konzerne wie etwa Nestle ausgehen, machten bereits die Aussagen des CEO Peter Brabeck in Erwin Wagenhofers „We feed the World“ deutlich. Auch der Verkauf einer 800 ha großen Liegenschaft mit mutmaßlich großen Wasserreserven im Salzburger Tennengebirge an einen privaten Investor wirft ähnliche Fragen auf.

 

Der Film beginnt mit einem Blick auf die von Erosion bedrohte Landbevölkerung von Bangladesh. Die häufig(er)en Überflutungen und ansteigende Wasserpegel führen dazu, dass immer mehr Land im Meer versinkt. Man passt sich an, kann jedoch nichts gegen die Zustände tun.

 

Ein Portrait des drastisch geschrumpften Aralsees mit seinen nunmehr in der Wüste „gestrandeten“ Schiffen, Hafen- und Fischerstädten, wo es weder Wasser noch Fische gibt, zeigt auf fast surreale Weise auf, wie direkt und identitiätsstiftend  die Menschen mit ihrer Umwelt verbunden sind. So macht der alte Kapitän betroffen, der zwischen den auf Grund liegenden Fischkuttern von seiner Arbeit und vom verlorenen kasachischen Idyll berichtet.

 

Beklemmend wirkt auch die dritte Station der Reise, einer der größten Slums in Nairobi. Die wenigen öffentlichen Wasserleitungen werden von Beamten an selbsternannte Wasserverkäufer „übertragen“. Auf diese Weise wird sichtbar, was es bedeutet, wenn ein öffentliches Gut, wie Wasser bzw. die Wasserversorgung privatisiert wird: Gerade die Ärmsten der Armen bezahlen Unsummen für Wasser als Ware. Anhand dieser Bilder wird Wasser auch als Machtfrage erlebbar.

 

Udo Maurer verzichtet in seinem Film auf Kommentare und überlässt so das Podium allein den Erzählungen, Erlebnissen und Eindrücken der ProtagonistInnen. Dass diese so offen und eindrucksvoll ausfielen, ist nicht zuletzt seinem Arbeitsstil zu verdanken: mit kleinem Filmteam mit den Menschen zu leben und ihnen viel Zeit zu widmen, stiftet gleichermaßen Identität und Authentizität. Ein wichtiger Film und eine bewegende Reflexion über ein zukunftsentscheidendes Thema.

 

Über Wasser. Regie: Udo Maurer. Wien: Falter-Verl., 2008. 83 Min.