Elf Trendforscher geben Auskunft über die ihrer Meinung nach entscheidenden Zukunftsentwicklungen in Gesellschaft und Wirtschaft gegen Ende dieses Jahrtausends. Horst W. Oppaschowski etwa spürt dem' “Erlebniszeitalter ", oder anders formuliert, dem Paradigmenwechsel von der "Arbeits- zur Lebensgesellschaft" nach. Daß der Wohlstand auch zur Falle werden kann, macht der Freizeitexperte an der stetig steigenden Verschuldung junger Menschen deutlich. Auch konstatiert er eine nach wie vor breite Skepsis gegenüber neuen Medien ("Mediaphobie").

Matthias Horx vom Hamburger Trendbüro prophezeit ein "Comeback der Werte" . Das moderne Individuum könne, so seine Überzeugung, "seine Genußfähigkeit nur bewahren, wenn es gleichzeitig Verzicht und Disziplin übt - alles andere wäre Dekadenz". Der Marktforscher Ulrich Becker pflichtet ihm bei, wenn er die Abkehr von der Wegwerfgesellschaft und den Trend zu langlebigen Produkten ("Anschaffungen für das Leben") voraussagt. Daß der Markt (oder die Marktforschung) nicht müde wird, immer neue Produkte zu entwickeln, macht ein Beitrag über die "Biologisierung der Technik" deutlich. Fernseher, die sich automatisch leiser stellen, wenn das Telefon klingelt, oder gar Kühlschränke, die automatisch beim Lieferanten Milch nachbestellen, wenn der Flascheninhalt sich dem Ende zuneigt, beschreibt Kevin Kelly als Beispiele der neuen biodynamischen Produkteweit. Den Beweis, daß damit aber zugleich die "ökologische Industrie" geschaffen sei, bleibt der Chefredakteur des New-media-Magazins Wired jedoch schuldig. Realistischer erscheint das Szenario von Monique R. Siegel, die den sogenannten KMU, den Klein- und Mittelunternehmen, die besten Erfolgsaussichten attestiert, da diese sowohl in bezug auf die Kunden wie auf die Mitarbeiterteams die größte Flexibilität aufweisen.

Vier Beiträge thematisieren die Zukunft der Informationsgesellschaft, die Michael-A. Konitzer lieber als "Online-Gesellschaft" definiert haben will, und die Wirtschaft und Freizeit umgestalten sowie zur Demokratisierung und Dezentralisierung des Wissens führen werde: "Online entsteht der kritische Geist nicht mehr aus einer ,kritischen Haltung' eines einzelnen, etwa eines ‘kritischen' Journalisten, sondern aus der Summe der stetig und global kommunizierenden Widersprüche." "Ob online oder offline - Multimedia gilt als Markt der Zukunft", ist Ulrich Eggert, der die ökonomische Seite der Informationsgesellschaft durchleuchtet und (zukünftige) Anwendungsbereiche wie Teleshopping oder Telearbeit beschreibt überzeugt. Schließlich plädiert der Herausgeber des Trendletter, Armin Ziegler, für einen schlanken und bürgeroffenen Staat, den das Informationszeitalter mit dem "gläsernen Politiker" möglich mache.

Der Band erfaßt durchaus in der Zukunft angelegte Möglichkeiten, in der Breite der Themen, die auch Widersprüche zu- und Wertungen häufig hintanlassen, ist er selbst Ausdruck der postmodernen Informationsgesellschaft. die es den Leserinnen anheimstellt, über die vorgestellten Trends zu urteilen.

H. H.

Toptrends. Die wichtigsten Trends für die nächsten Jahre. Ulrich Becker ... (Mitarb.). Düsseldorf u. a.: Metropolitan, 1995. 2685., DM / sFr 58,- / ÖS 452,50