Der am Institute of Education der Universität Melbourne lehrende Autor unternimmt in diesem Artikel eine kritische Würdigung verschiedener Globalprognosen:

1) Zu John Naisbitt's "Megatrends" und" Megatrends 2000" merkt Slaughter an, dass weniger als ein Drittel seiner Vorhersagen als "Megatrends " einzustufen sind; "die meisten anderen sind schwach ausgeprägt, zweideutig, oberflächlich oder problematisch". 2) Bei Faith Popcorns Report sieht Slaughter eine Menge nützlicher Details über die Entwicklung des suburbanen Lebens in der USA, aber keinen tieferen Einblick und kein Bemühen um die zugrundeliegenden Probleme und die Anliegen der Menschheit im ausgehenden 20. Jahrhundert.

3) Die Beobachtungen von Marvin Cetron und Owen Davies über Trends, die die Welt formen, bezeichnet er zwar als breit angelegt, aber eindimensional, als zu optimistisch und zu wenig theoretisch fundiert; die beiden unterschätzten den Ernst der Bedrohung der Umwelt und übersähen die Bedeutung von Sprache, Ideen, Werten und Ideologien. 4) Dagegen schätzt Slaughter Joseph F. Coates' Darstellung von Faktoren, die die globale Umwelt formen und von ihr geformt werden, als differenzierten Ansatz, der seine Stärken in der Beschreibung politischer Optionen besitzt, aber in der Erörterung von Kulturen, Systemen und Alternativen Schwächen aufweist und Ideen nicht als eigenständige Wirkkräfte anerkennt.

5) Den Bericht der OECD über langfristige Perspektiven der Weltwirtschaft empfindet Slaughter in seiner unreflektierten Wertung von Fortschritt als etwas Gutem als sehr konventionell und vermisst darin Hinweise auf die Notwendigkeit einer Reform des Wirtschaftsdenkens. 6) Bei Frank Feather's 35 globalen Kräften, die unsere Zukunft verändern werden, sieht Slaughter im Gegensatz zu den anderen Arbeiten eine starke Prozessorientierung, kritisiert aber die Darstellung der Informationsgesellschaft als verharmlosend und unbefriedigend, was insgesamt Feather's differenzierten und weiterführenden Annäherung an die globale Problematik aber keinen Abbruch tut.

Slaughter fasst zusammen, dass alle untersuchten Prognosen von verschiedenen Prämissen ausgehen, keine vergleichbaren Strukturen aufweisen und daher auch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, Alle würden im Prinzip anerkennen, dass die stärksten umweltverschlechternden Trends einer Korrektur bedürfen, aber nur wenige lassen sich auf das zentrale Thema der Nachhaltigkeit oder die Diskussion einer Entwicklung daraufhin ein. Die dominanten Trends von Wissenschaft und Technik würden keiner gründlichen Kritik unterworfen, was offenbar ein "blinder Fleck" aller Prognostiker sei. Auch die globale Dimension sei weitgehend übersehen worden, wodurch viele der Trends, politische Ansätze, Ansichten und Verstehensweisen, die zur Zeit die nähere Zukunft bestimmen, wenig vertrauenserweckend wirken.

"Wenn wir anerkennen, dass offenbar kein autoritativer Gesamtüberblick über die Welt möglich ist, dann täten Individuen und Organisationen besser daran, ihre eigenen Trendanalyseprogramme maßzuschneidern". - Außer bezüglich Faith Popcorn, die nicht den Anspruch einer globalen Analyse erhebt und daher hier eigentlich ausgelassen werden sollte, ist der Artikel eine bisher einzigartige und nützliche Kritik. Viel mehr Zukunftsforscher sollten sich an solche Überblicke wagen.

(Übersetzung: W R.)

Slaughter, Richard A.: Looking for the real "Megatrends".

In: Futures 25 (7993), Heft 8, S. 827-849