Die hier als Buch vorgelegte Dissertation gibt einen Überblick über die Möglichkeiten und Behinderungen von Technologiefolgenabschätzung (TA), aufgezeigt an verschiedenen europäischen Ansätzen. Angestoßen durch die Gründung des "Office of Technology Assessment" (OTA) in den USA, haben sich auch europäische Staaten sowie das Europäische Parlament um die Einrichtung ähnlicher Beratungsgremien bemüht. Die hohen Erwartungen im Hinblick auf Partizipationsmöglichkeiten und Öffentlichkeitswirksamkeit wurden allerdings in den USA nicht erfüllt, das OTA steht neuesten Berichten zufolge im Zuge der Budgetsanierung vor einer erheblichen Reduzierung oder vor der gänzlichen Schließung.

Ob das mit dem von Baron festgestellten Trend zu dezentralisierten und pluralistisch angelegten Netzwerken aufgefangen werden kann, bleibt abzuwarten. Jedenfalls hat sich die partizipative Technikfolgenabschätzung an zwei Zielen zu orientieren: Einerseits  ist ein hoher Grad an wissenschaftlich erarbeiteter Sicherheit anzustreben, andererseits ist über die Beteiligung organisierter Interessen das bestehende gesellschaftliche Wertespektrum abzudecken. Diese Forderungen werden in Europa rechtlich unterschiedlich umgesetzt: Während in Deutschland noch die Politikberatung im Mittelpunkt der Aufgaben steht, ist die TA in Dänemark bereits zum Instrument des gesellschaftlichen Technikdiskurses geworden. Hierbei spielt auch das Demokratieverständnis eine entscheidende Rolle, ist doch die demokratietheoretisch abgeleitete Partizipation in Dänemark am stärksten ausgeprägt, während es sie in Großbritannien und den Niederlanden nur bedingt und in Frankreich nach Ansicht des Autors überhaupt nicht gibt.

Auf europäischer Ebene leidet die TA an mangelnder Partizipationsmöglichkeit und Folgenlosigkeit. Mehr Hoffnung setzt der Autor in das in Vorbereitung befindliche Programm zur dezentralen Stärkung europäischer Technikfolgenabschätzung (ETAI). Wichtig wäre es dabei, die TA in eine europäische Industriepolitik und die europäische Normung zu integrieren. In fünf Teilstudien beleuchtet Baron Ansätze zur TA in Deutschland im Hinblick auf die von ihm als zentrale Kategorie erkannte Partizipation. So entwickelt etwa die Akademie für TA in Baden-Württemberg ein partizipationsorientiertes Konzept, das derzeit noch in der Erprobungsphase steckt. Als erste Industriebranche bekennt sich die chemische Industrie zu einer "Konzertierten Technologieaktion " mit partizipativem Anspruch. Für die Glaubwürdigkeit dieses Ansatzes ist es wichtig, bereits bei Forschung und Entwicklung anzusetzen und auch unliebsame Partner in die Diskussion einzubeziehen.

Als das zur Zeit ambitionierteste Instrument einer partizipativen TA bezeichnet der Autor das Mediationsverfahren. Es bietet unter bestimmten Voraussetzungen Chancen, weniger organisations- und konfliktfähige Interessen (Umweltverbände, Bürgerinitiativen) an komplexen Entscheidungsprozessen angemessen zu beteiligen und Konflikte in Selbstverantwortung der Beteiligten durch Aushandlung zu lösen.

R. M.

Baron, Waldemar M.: Technikfolgenabschätzung. Ansätze zur Institutionalisierung und Chancen der Partizipation. Opladen: Westdt.-Verl., 7995. 305 S., DM / sFr 54,-/ ÖS 473,50