Theoretische Fundierung, sachliche Information sowie vielfältige Praxisbezogenheit zeichnen den vorliegenden, aus einer Tagung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung hervorgegangenen Band gleichermaßen aus, der weder blinder Technikgläubigkeit noch einer grundsätzlichen Technikablehnung das Wort redet. So beschreibt Arnim v. Gleich im einleitenden Beitrag am Beispiel der "Sanften Chemie" die "Verringerung der Eingriffstiefe" (Naturnähe) als richtungssicheren Pfad für nachhaltige Innovationen, zugleich warnt er davor, die geforderte Effizienzrevolution mit noch mehr Risikotechnologie (Atomfusion. Gentechnik erreichen zu wollen. Frieder Meyer-Krahmer und Eberhard Jochen vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung skizzieren anschaulich Strategien hin zu einer materialsparenden Produktpolitik. die sich durch verlängerte Nutzungsdauer, Modulbauweise, hohe Rückgewinnungsquoten und neue Nutzungsformen auszeichnet. Wie Nachhaltigkeit als komplexes, koordiniertes Zusammenspiel vieler Faktoren begriffen werden kann (und muß), macht Martin Baumert am Beispiel "Bauen und Wohnen" deutlich. Der Biologe Volker Kasche gibt Einblick in die Anwendungsbereiche von Enzymen als Biokatalysatoren, wobei er zur Verhinderung allergener Nebenwirkungen weitere Forschungen einmahnt. Weitere Beiträge widmen sich einer Bewertung "traditioneller" und "neuer" Werkstoffe, dem Lernen von der Natur ("Bionik") sowie Innovationen in der Verkehrslogistik. Aufschlußreich beschreibt Stefan Zundel vom IÖW den Wandel in der chemischen Industrie, wobei er eine Verstärkung des chemiepolitischen Dialogs einfordert, in dem neben negativen auch positive Kriterien („In welche Richtung soll die Innovationstätigkeit gehen?") erarbeitet werden. Der Wasserchemiker Nikolaus Geiler skizziert aktuelle Entwicklungen in der Waschmittelindustrie, so etwa die Rolle der Gentechnik in der Enzymherstellung, die Gewinnung von Tensiden aus nachwachsenden Rohstoffen sowie erste, zunächst gescheiterte Versuche, diese aus ”fairem Handel" zu beziehen (Kokosöl von philippinischen Kleinbauern), Nicht zuletzt enthält der Band grundsätzliche Reflexionen über die Rolle von Innovationen. So beschreibt der Ökonom Ulrich Witt Wirtschaften anschaulich anhand der ”Produktionsfaktoren" Energie, Materie und Wissen, die er jenen von Kapital und Arbeit gegenüberstellt. Der Begründer des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung, Helmar Krupp, dämpft schließlich in systemtheoretischer Begründung allzu naive Aussichten auf eine nachhaltige Zukunftsentwicklung angesichts der Globalisierung jener Wachstumsdynamik (Krupp spricht von ”Schurnpeter-Dvnamik"). die unseren materiellen Reichtum einschließlich der externalisierten Folgekosten geschaffen hat. H. H.

Surfen auf der Modernisierungswelle? Ziele, Blockaden und Bedingungen ökologischer Innovation. Hrsg. v. Arnim v. Gleich ....Marburg: Metropolis, 1997. 296 S. (Ökologie und Wirtschaftsforschung; 23) DM / sFr 44,40 / öS 247.