Für den Bau neuer Wohnungen, den Ausbau, die Instandhaltung und die Unterhaltung des Gebäudebestandes werden in der BRD jährlich an die 1,3 Mrd. Tonnen Material verbaut. Mit ca. 22% in der Stoffstrombilanz ist der Baubereich einer der Hauptverursacher von Materialbewegungen.

Auf der Basis des von Friedrich Schmidt-Bleek entwickelten Mips-Konzepts, welches die „Materialintensität“ unserer Produkte und Dienstleistungen „pro Serviceeinheit“ (z.B. für Mobilität, Versorgung, Freizeit oder eben Wohnen) mißt, wurden in den letzten Jahren die „ökologischen Rucksäcke“ einzelner Bauelemente und Dienstleistungen im Baugewerbe ermittelt und ein Konzept für neue, ressourcenschonende Wohnqualität ermittelt.

Der vorliegende Band dokumentiert die Ergebnisse einer Zusammenarbeit des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie mit der Abteilung für Industrial Design der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal, in der ressourcensparende Baustoffe und Konstruktionen sowie optimierte Systeme für Wasser, Wärme und Luft entwickelt wurden. Flexible Bauelemente (etwa verschiebbare Wände und in diese integrierbare Einrichtungsmodule), spezielle Belüftungs- und Beheizungsschächte bis hin zu futuristisch anmutenden Kücheneinrichtungen (Dampf-Kombigeräte ersetzen die alten Herdplatten, Kühlsysteme den alten Eisschrank) prägen dieses „Wuppertal-Haus“. Herzstück des Projekts ist eine „Solarstadt“, die auf dem Gebiet eines ehemaligen Steinbruchs bei Wuppertal entstehen soll - ein Beispiel für eine an der passiven Sonnennutzung orientierten Standortwahl und Bauweise, die zugleich eine sinnvolle Nachnutzung für eine Industriebrache darstellt.

Dem Mips-Gedanken entsprechend wurden aber auch Konzepte für die Althaussanierung erarbeitet, denn „Deutschland ist schon gebaut“: es stehen über 13 Mio. Gebäude mit fast 28 Mio. Wohneinheiten zur Verfügung. Insbesondere ging es dabei um die Suche nach einer materialsparenden Wärmedämmung der Altwände, wobei ein spezieller Zellulosedämmstoff („Isofloc“) hinsichtlich Materialien- sowie Wasser-, Luft- und Bodenverbrauch am besten abschnitt. Aber auch für Dacherneuerungen wurden materialsparende Ideen entwickelt.

Die vorliegenden Berechnungen zur Materialintensität unseres Bauens beeindrucken nicht weniger als die ressorcenschonenden Alternativ-Entwürfe. Was den studentischen Arbeiten für das Wohnen der Zukunft weitgehend fehlt, ist hingegen Atmosphäre, Behaglichkeit, eine Aura des Wohlfühlens, ohne die Wohnungen nicht angenommen werden und auch nicht gebaut werden sollen. Doch Wohnästhetik läßt sich sehr wohl mit ressourcensparendem Bauen verbinden, wie bereits  Modellvorhaben zeigen. Eine Koppelung der vorliegenden Arbeiten mit Wohnarchitektur könnte somit durchaus befruchtend wirken. H. H.

Das Wuppertal-Haus. Bauen und Wohnen nach dem MIPS-Konzept. Hrsg. v. Friedrich Schmidt-Bleek ... Berlin (u. a.): Birkhäuser, 1999. 128 S., DM 68,- / sFr 58,- / öS 497,-