Auf zwei Frauen über 65 Jahren kommt in Deutschland nur mehr ein Mann, bei den über 80-Jährigen ist das Verhältnis bereits 3:1. Dies – und nicht nur feministischer Anspruch – hat dazugeführt, dass immer öfter auch reine Frauenwohnprojekte gegründet werden. Beispiele sind „Offensives Altern“ in Berlin-Neukölln, OLGAin Nürnberg oder das Frauenwohnprojekt „Zeisewiese e. V.“ in Hamburg. gemeinschaftlicheswohnen.deDie Beginenhofbewegung belebt eine mittelalterliche Wohnform für Frauen jenseits klöstlerlicher Abgeschiedenheit neu. Über 20 Projekte gibt es mittlerweile in Deutschland, in denen Alleinerziehende, ältere Frauen und Lesben zusammenwohnen. In der Regel in Miete, um leichter ausziehen zu können, falls sich frau (wieder) für eine Partnerschaft mit einem Mann entscheidet. Ein auch architektonisch sehr gelungenes Beispiel für dieses Wohnmodell ist der Beginenhof in Bremen. www.beginenhof.de

Integrative Wohnmodelle

Vereinzelt existieren mittlerweile auch Projekte, die sich die Integration nicht nur mehrerer Generationen, sondern auch mehrerer Nationalitäten sowie von Menschen mit Handicaps zum Ziel gesetzt haben. Als Modellvorhaben gilt etwa das Projekt NOAH der Diakonie in der nordrhein-westfälischen Stadt Neuss, das Seniorenwohnungen mit Familienwohnungen sowie Wohngemeinschaften für körperbehinderte und psychisch kranke Menschen verbindet. Gemeinschaftseinrichtungen wie ein Cafe und Restaurant dienen dem Zusammenkommen, Serviceangebote der Lebensalltagserleichterung für die älteren MitbewohnerInnen. www.wohnen-im-alter.de Auch das gemeinsam mit dem Wohnbund Frankfurt entwickelte Projekt „Integriertes Wohnen“ in der Stadt Kempten gilt als vorbildhaft. Junge und alte, behinderte und nicht behinderte Menschen, Singles und Paare, Familien und Alleinerziehende, Inländer und Ausländer finden Platz „unter einem Dach“. Die attraktive Lage am Fluss in verkehrsberuhigter Atmosphäre sowie Gemeinschaftseinrichtungen sollen das „bunte“ Zusammenleben erleichtern. www.werkstatt-stadt.de

Alters(haus)gemeinschaften

Betreute Wohngemeinschaften, in denen Ältere zusammenwohnen, haben sich als sinnvolle Alternative zum Pflegeheim etabliert. Die Beibehaltung des normalen Tagesrhythmus, häufig auch inklusive Zubereitung der Mahlzeiten sowie die gegenseitige Unterstützung bei gleichzeitiger professioneller Betreuung wirken sich positiv auf den Gesundheitszustand der BewohnerInnen aus. So gibt es mittlerweile eine Vielzahl betreuter Wohngemeinschaften bis hin zu solchen für demenziell Erkrankte. Bei jüngeren Alten beliebter sind Hausgemeinschaften, in denen jede(r) noch in seinen „vier Wänden“ lebt. Gemeinschaftsräume und gemeinsame Freizeitaktivitäten ermöglichen Unabhängigkeit, jedoch in Gesellschaft. Meist wird auch der Garten gemeinsam benutzt bzw. bestellt. Die Palette reicht von der 4-Parteien-Gemeinschaft im größeren Mehrfamilienhaus bis zum Zusammenschluss zahlreicher miteinander bekannter Mieter in einem Objekt des sozialen Wohnungsbaus. www.wohnen-im-alter.de

Stadtteilbezogene Projekte

Ein wichtiges Ziel kann auch in der Integration älterer Menschen in den Stadtteil sein. Im Berliner Projekt „Miteinander Wohnen“ haben sich Bürger-Innen eines Stadtteils mit hoher Dichte älterer Menschen zusammengetan, um etwas gegen die Vereinsamung zu tun. Der Verein hat an die 400 Mitglieder, von denen sich 100 aktiv einbringen. Über zwei Drittel sind mittlerweile selbst über 70 Jahre. Ein integriertes Pflegewohnheim ermöglicht, auch bei hohem Pflegebedarf im Stadtteil bleiben zu können. www.miteinanderwohnen.de In Bielefeld fördert die Wohnbaugenossenschaft „Freie Scholle“ durch Angebote für Jung und Alt das Zusammenleben in Stadtteilen mit höherem Anteil älterer Menschen. Nachbarschaftstreffs bieten allen Altersgruppen Raum für selbstorganisierte Aktivitäten. Das Nachbarschaftszentrum Meinolfstraße in einem Stadtteil mit 11.000 Menschen bietet neben 90 barrierefreien Wohnungen und zwei betreuten Wohngruppen auch Gemeinschaftsräume, ein Cafe, Arztpraxen, Beratungseinrichtungen u.a.m. Ziel ist auch hier, dass die BewohnerInnen auch im hohen Alter in ihrem Stadtteil bleiben können. www. freie.scholle.de H. H.

 

Diese und weitere Beispiele werden vorgestellt im JBZ-Vortrag „Mehr-Generationenwohnen als Chance und Herausforderung“. Download von www.jungk-bibliothek.at (Referenzen H. Holzinger) sowie im Tagungsband Bob Dylan wird 70. ALTERnativen für’s Wohnen im Alter“. Hrsg. v. d. Stadt Salzburg. 38. S. (Schriftenreihe zur Salzburger Stadtplanung; Heft 38) Download: www.stadt-salzburg.at