Die Science-fiction will und kann keine Hilfsdisziplin der Zukunftsforschung sein, doch dies "bedeutet keine Absage an eine behutsame Annäherung". Diese Feststellung gilt nicht nur für den Kongreß "Die Zukunft der Zukunft" des Gelsenkirchener "Sekretariats für Zukunftsforschung", sondern ebenso für den im Anschluß daran zusammengestellten 6. Band der ZukunftsStudien. Einer der Herausgeber, Karlheinz Steinmüller - er hat in PRO ZUKUNFT 3/92 sehr kompakt über die Veranstaltung berichtet =, ortet in seinem Einleitungsbeitrag die Verbindung von Zukunftsforschung und Science-fiction bei Herbert G. Wells, später bei Arthur C. Clark und Stanislaw Lem. In Deutschland war es Herbert W. Frankes Vorstoß in neue technologische Entwicklungen und ihre sozialen Konsequenzen. Die Stärke der Science-fiction sieht Steinmüller, Physiker, Philosoph und selbst SF-Autor, in der von ihr gestellten Frage "Was wäre, wenn ... I", In den meisten Beiträgen werden anhand konkreter Texte von Brian W. Aldiss, der Brüder Strugazki, Carl Amery u.a. die Berührungs- und Trennungslinien beider Disziplinen erörtert. Themen wie Science-fiction und Technikfolgenabschätzung, Raumfahrt oder der Leitbildgedanke kommen zur Sprache. Im Blick auf das Atomzeitalter kommt Angela Steinmüller zu der Feststellung, daß sich die Verheißung eines friedlichen Atoms seitens der optimistischen Science-fiction als trügerische Fata Morgana erwiesen und die warnenden Stimmen recht behalten haben. Olaf R. Spittel meint, daß die Science-fiction durch "die ihr eigene Methode, sich respektlos über altes Denken hinwegzusetzen und sich der treibenden Kraft der Phantasie anzuvertrauen", inspirierend wirken kann. Er hält in einer Zeit, "in der jedermann vor dem Gedanken an neue soziale Experimente zunächst einmal gezwungen ist, über den sozialistischen Schatten Deutschlands zu springen", utopisches Denken als Korrektiv der realen Machtpolitik für unabdingbar. Und Robert Gaßner fordert die Zukunftsforscher auf, ihre teils verschütteten kreativen, gestalterischen und ästhetisch-künstlerischen Neigungen und Fähigkeiten zu fördern. Ähnliches meint Peter Schattschneider, wenn er die Fiktion für geeignet hält, zu geschmeidigerem Denken, zum Abenteuer anzuregen und so "ungeahnte Perspektiven für ein neues Erleben und ein neues Leben" zu eröffnen. Im Anhang findet sich ein Glossar (von Aliens bis Zukunftskrieg), das zumindest für den Science-fiction-Laien nützliche Informationen enthält. AA

Streifzüge ins Übermorgen. Science Fiction und Zukunftsforschung. Hrsg. v. Klaus Burmeister u. Karl-Heinz Steinmüller. Weinheim (u.a.): Beltz-Verl., 1992. 328 S. (ZukunftsStudien; 6)