Die von Blaha entworfene Gesellschaftsform der Zukunft entlarvt sich als totaler Überwachungsstaat. In der Tradition früherer Antiutopien (Huxley, Orwell) entsteht das Bild einer Diktatur, in der die Menschen bis in die Privatsphäre kontrolliert werden. Spannend und lesenswert ist aber nicht nur die Rahmenhandlung, sondern auch die politisch-gesellschaftlichen Reflexionen auf die Gegenwart. Der Hauptdarsteller hat zur Zeit der deutschen Wende (1989) gelebt und findet sich auf geheimnisvolle Weise in einer zukünftigen Welt wieder, in die er mit seinen Erinnerungen nicht passt. Für ihn beginnt ein gefährliches Leben, das ihn von der Psychiatrie über einen Vorstandsposten und Flucht in die Suburbia, in die "Graue Welt" bis nach Montikarlo, die Stadt der Ausgegrenzten führt. Die eingebaute Liebesgeschichte vermag nur wenig an verbliebender Humanität zu vermitteln. Auch die Freiheit der neuen Welt besteht letztlich nur darin, wann und wo man will, konsumieren zu können. Kritik wird an der New Age Bewegung deutlich, wenn vom uneingeschränkten Materialismus die Rede ist: "Das Zeitalter der Aufklärung und sozialen Revolutionen wurde überwunden, die totale Freiheit brach herein - und mit ihr der real existierende Kapitalismus." Blahas Warnung an die Gegenwart verweist deutlich auf die Notwendigkeit humanistischer Utopien. Die längst eingeschlagenen Wege der Umweltzerstörung und Technikentwicklung können ohne weiteres in Blahas düstere Vision einer "schönen freien Welt" münden. Antiutopie Science-fiction 

Blaha, Paul: Schöne Freie Welt. Roman. München: Langen-Müller, 1991.293 S., DM 34,-/ sFr 28,80 / öS 265,20