Das Wissen um die Zerstörung der tropischen Wälder nimmt ständig zu (aus dem Zeitraum von 1987-1990 sind über 30 Publikationen zu diesem Themenbereich angeführt), in noch stärkerem Ausmaß allerdings steigt die Zerstörung selbst - sodass manche geneigt sind, die Reihe von Ursachen auf eine zu reduzieren, z. B. auf das Bevölkerungswachstum. Ist es ein Zufall, dass gerade der Experte für internationale Verschuldungsprobleme des deutschen Bundesministeriums für Finanzen zu diesem Schluss kommt? Die Lektüre der übrigen Kapitel des Sammelbandes - insgesamt 20 Beiträge von Internationalen Fachleuten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie Stellungnahmen von umweltpolitischen Organisationen - lässt das Problem differenzierter erscheinen: Neben dem Bevölkerungswachstum, das unbestritten eine der Ursachen ist (dessen indirekte Befürworter, allen voran die katholische Kirche, aber von niemandem kritisiert werden), Sind es gerade die Schulden- und Zinsenlasten (8 der 17 höchstverschuldeten Staaten gehören zur Tropenwaldregion), die die tropischen Länder in einen Raubbau ihrer Wälder treiben und zur Zerstörung des Lebensraumes der Ureinwohner sowie zur Vernichtung von unzähligen Tier- und Pflanzenarten führen. Hauptnutznießer dieses globalen Wahnsinns: Die heimischen Oligarchien und internationale Konzerne der Holz-, Vieh- und Bergbauwirtschaft. Dass diese Aussage stimmt, obwohl nur 14 % der Tropenwälder als Nutzholz, aber 86% als Brennholz ver(sch)wendet werden, ist den detailreichen länderspezifischen Artikeln ebenso zu entnehmen, wie Vorschläge zur "nachhaltigen Nutzung" der Tropenwälder. Während der einen Minute, in der Sie diese Rezension gelesen haben, ist die Zerstörung des Tropenwaldes wieder in einer Größenordnung von ca. 60 Fußballfeldern fortgeschritten. 

Rettet den Tropenwald! Hrsg. v. Martina Etzbach ... Bann: J.H.W Dietz Nachf., 1991.288 S., DM 16,801 sFr 14,20/ öS 131