„Arm ist, wer nicht genug von dem hat, was er braucht. In Wohlstand lebt, wer etwas mehr hat als er braucht. Und reich ist, wer mehr hat als er braucht und bei dem dieses Mehr immer mehr wird.“  So einfach beschreiben die HerausgeberInnen der im Titelzitat genannten NGOs Armut und Reichtum. „Reich“ sei jemand, der „von den Nettoeinkünften seines Besitzes oder Vermögens gut leben kann ohne erwerbstätig sein zu müssen“. (S. 8).

Zahlen über Reichtum sind noch rar. Nach dem 2001 erschienenen hier ebenfalls vorgestellten „Deutschen Armuts- und Reichtumsbericht“ verfügt in der EU das oberste Fünftel der Haushalte knapp über die Hälfte der Vermögenseinkommen und über zwei Drittel der Ersparnisse. Die Investitionsquote bleibe zusehends hinter der Gewinnquote zurück: „Die Einkommen auf den Finanz-märkten sind lukrativer als die Investitionen in Realkapital“, wird ein Wirtschaftsforscher zitiert. Österreich liegt in der Vermögensbesteuerung im OECD-Vergleich an letzter Stelle, beim Aufkommen aus Gewinnsteuern an vorletzter Stelle in der EU, so eine weitere Kritik der HerausgeberInnen.

Die fünfzehn Fachbeiträge dieses Bandes thematisieren aber nicht  nur die Ungleich-Verteilung des Geldes, sondern auch den befürchteten Abbau staatlicher Leistungen (etwa durch deren Liberalisierung), also den Verlust des Reichtums an Bildung, Gesundheitsvorsorge und Lebens-chancen, des sozialen „Reichtums“ durch die Abschlankung der europäischen Pensionssysteme u.a.m. Luise Gubitzer – ihr wurde auf Vorschlag der JBZ der  Salzburger Landespreises für Zukunftsforschung 2002 verliehen – beschreibt in ihrem Beitrag über die „Begehr-lichkeit“ des Reichtums u.a. den zunehmenden Unmut der Reichen, Steuern zu zahlen, sowie das problematische Verharren im „Knappheitsdenken“, das etwa zu den re-pressiven Zwängen des Arbeitsmarktes führe. H. H.

Bei Amazon kaufenWas Reichtümer vermögen. Gewinner und VerliererInnen in europäischen Wohlfahrtsstaaten. Hrsg. v. Verein zur Förderung des Netzwerks gegen Armut und soziale Ausgrenzung, ATTAC, Beigewum. Wien: Mandelbaum, 2002. 270 S.; € 13,90; ISBN 3-85476-059-0