Als Günter Altner vor nunmehr 15 Jahren das Buch "Schöpfung vor dem Abgrund - die Theologie vor der Umweltfrage" herausbrachte, wurde ein bis dahin kaum beachtetes Thema benannt, das inzwischen mehr und mehr in den Mittelpunkt des theologischen Interesses gerückt ist. Menschen, die sich Fragen der Transzendenz verbunden fühlen, und Skeptikern einer    ausschließlich technisch-wissenschaftlich ausgerichteten Weitsicht erscheint die Theologie gleichermaßen ein kompetenter Anwalt für den Ausgleich zwischen anthropozentrischer Naturaneignung- und maßvollem Umgang mit der Schöpfung. Wie sehr die Überlebenskrise inzwischen zu einer zentralen Herausforderung für Theologie - und Kirche? - geworden ist, dokumentiert dieser Band, in dem zwanzig Autoren zu Wort kommen. Es zeigt sich, daß maßgebliche Bereiche der Theologie mit der "ökologischen Frage" befaßt und zunehmend von ihr betroffen sind. Da es an dieser Stelle nicht möglich ist, den einzelnen Beiträgen auch nur andeutungsweise gerecht zu werden, sei hier exemplarisch auf einige wenige Ansätze einer theologischen Ökologie verwiesen, die nach Altner "notwendig praktisch, ökumenisch und interdisziplinär" ist. Im ersten Abschnitt "Historische und interreligiöse Aspekte" verweist Udo Krolzik auf ideengeschichtliche Parallelen im Alten Testament und im Mittelalter; Jürgen Drewermann macht auf Symbole einer interkulturellen Religionsgeschichte aufmerksam, in welchen die Erde als Gebärerin, als Garten oder Mutter des Todes oder auch als Göttin des Lebens gedeutet wurde. Teil 2, biblische Befunde, behandelt in drei Beiträgen die Schöpfungsgeschichte im Alten und Neuen Testament, wobei insbesondere der androzentrische Herrschaftsbegriff über die Natur kritisch reflektiert wird. Systemische Ansätze stellen im Folgenden vier Autoren zur Diskussion, wobei u.a. die Ambivalenz von Schöpfung und Evolution (J. Moltmann) und Ansätze feministischer Theologie (S. Grossmann) besondere Beachtung verdienen. Die politische Dimension des Themas wird im vierten Abschnitt hervorgehoben. K.M. Meyer-Abichs Plädoyer für einen Eigenwert der natürlichen Umwelt und eine Rechtsgemeinschaft mit der Natur ist hier ebenso zu nennen wie G. Liedkes Vorschläge zur Konfliktlösung zwischen ökologischen und sozialen Interessen. Überlegungen zum Fortgang des konziliaren Prozesses" Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sowie drei Beiträge zum Umfeld Krise und Hoffnung schließen den Band ab.   Ein überzeugend konzipiertes Handbuch, das die Vorzüge von Komplexität und Übersichtlichkeit vereinigt; für theologisch wie ökologisch Interessierte gleichermaßen wertvoll, nicht zuletzt aufgrund der ergiebigen Literaturhinweise, die den einzelnen Beiträgen angeschlossen sind.

Ökologische Theologie. Perspektiven  zur Orientierung. Hrsg. v. Günter Altner. Stuttgart: Kreuz-Verl., 1989. 429 S.