Im Universum ist intelligentes Leben einmalig, deshalb nimmt der Mensch im Kosmos eine Sonderstellung ein. Daraus ergibt sich für Muntwyler die Verpflichtung, "alle Menschen-zu einem sinngemäßen Lebenswandel"· anzuhalten. Darüber handelt der Autor im vorliegenden Buch. Er kommt dabei zu etwas befremdlich anmutenden Schlußfolgerungen vor allem im Bereich der Evolutionstheorie. Gegen die Auffassung naturwissenschaftlicher Evolutionstheorie scheint für den Verfasser gesichert, daß jede Form von Leben Produkt der von Gott geleiteten Entwicklungsprogramme ist. Die primitiven Vorstufen des Menschen dienten dem Schöpfer nur dazu, "die Umwelttauglichkeit des menschlichen Körpers zu erproben Wir sind also keineswegs Endprodukt einer Vielzahl zufälliger Mutationen, sondern nach Gottes Plan das letzte Glied der Schöpfung. Der Mensch ist aber nicht nur stofflich zu begreifen. Alle Lebewesen - von den Viren bis hin zum Menschen - enthalten in ihrem materiellen Körper einen Lebensgeist, d. h. ein feinstoffliches Gebilde, das den Organismus ”belebt". Jedem Menschen wird im Moment der Befruchtung sein individueller Lebensgeist zuteil. Muntwyler hält die Abtreibung einer menschlichen Frucht schon deshalb für verwerflich, weil ein bereits in der Vorstellung Gottes existierender Mensch vernichtet würde. Scharf kritisiert der Autor die Gentechnik. Ein vollkommener Mensch läßt sich nicht züchten. Indem Veränderungen des menschlichen Erbgutes vorgenommen werden, pfuscht man im Plan Gottes herum. Dieser neuerliche Verstoß muß weitere Strafen für die Menschheit nach sich ziehen. Wie Muntwyler aus-führt, haben wir uns schon einmal durch "den Ungehorsam der ersten Exemplare der Gattung Homo sapiens Ernährungsprobleme, Tod und Unfrieden" eingeheimst. Insgesamt gibt sich der Autor pessimistisch, denn nichts kann die Menschen vor dem Straucheln bewahren. Einziger Sinn und Zweck des Lebens ist für ihn, Gott zu finden. Selektion findet nur insofern statt, als den” Moralisch Tüchtigen" zu ewigem Leben verholfen wird.

Muntwyler kommt nach einer komplizierten und wenig verständlichen Beschreibung der Evolutionsgeschichte zu dem Schluß, daß der Mensch kein Zufallsprodukt der Evolution, sondern das Meisterwerk seines Schöpfers ist. Umso weniger liegt, wie er behauptet, die Zukunft im eigenen Einflußbereich, sondern wäre doch jederzeit vom Schöpfer zu lenken. Ließe sich Gott tatsächlich für unsere Sorgen gewinnen, so wäre die Wunschliste groß und die zu lösenden Aufgaben wohl nicht in sieben Tagen zu bewältigen.

 

Muntwyler, Rene E. : Ist der Homosapiens am Ende? Zukunft der Menschheit. Altstätten: Panorama-Verl., 1989. 172 S.