Ökologie und Stadtplanung. Sind dies Gegensätze, die sich anziehen? Zeigt sich tatsächlich ein neues Bewußtsein, welches sich um das Verstehen urbaner Lebensform bemüht und diese nach den Gesetzen der Natur menschlich auszurichten sucht? Oder verbirgt sich hinter dem geradezu inflationären Gebrauch des Ökologie-Begriffs nicht mehr als die geschickte Vermarktung alter Konzepte? Der vorliegende Band gibt insofern eine klare Antwort als sich die in 15 Beiträgen zu Wort kommenden Autoren - hätten nicht auch Frauen Beachtenswertes zum Thema beizutragen? - engagiert und (selbst)kritisch mit der Materie auseinanderzusetzen. Einleitend stellt etwa Grobe heraus, daß es sich bei der so neuartig klingenden Aufgabe "Stadtökologie" um eine erweiterte Dimension der im Grunde alten Idee handelt, dem Menschen nicht nur annehmbare, sondern lebenswerte Existenzbedingungen zu schaffen. Dies ist bei allem positiven Bemühen noch lange nicht erreicht und vielfach weiter denn je von der Verwirklichung entfernt. Ein umfassender
Maßnahmenkatalog, der Arten- und
Bodenschutz, Klima, Verkehr u. v. a.
Bereiche mehr umfaßt, ist nicht als
Summe von Einzelschritten zu verwirklichen: Um Städte den umwelt- und sozialbedingten Anforderungen entsprechend zu gestalten, sind auch Veränderungen im Verwaltungshandeln unumgänglich. Während Ranft vor allem die heute schon verfügbaren Rechtsmittel zur Durchsetzung ökologischer Gestaltungskonzepte analysiert, arbeitet Reinhard Sellnow überzeugend heraus, daß eine ganzheitliche Betrachtungsweise "als solche noch ziel- und wertlos" ist. "Erst mit der (...) Offenlegung der Orientierung, d. h. der angestrebten Ziele, Werte, Verantwortung (...) usw., wird ein Erneuerungsvorschlag begründbar, nachvollziehbar und überprüfbar." Wie neue Trägerformen (Selbsthilfezentren, Eltern-, Umweltinitiativen) mit einer argumentativ und kooperativ agierenden Verwaltung zusammenwirken könn(t)en, wird im Folgenden gezeigt. Konkrete Erfahrungen der Vororte-Arbeit in Dortmund und Hamm sowie ein Werkstattbericht über das "Recycling einer Kasernenanlage" in Kassel sind Dokumentation und Anregung zugleich. Überlegungen zur integrativen Verkehrsplanung und zur qualitativen Wasserwirtschaft gelten neuralgischen Bereichen der aktuellen Diskussion, während zuletzt auf den Zusammenhang von Ökologie und Wirtschaftsförderung hingewiesen wird. Hubert Heimann weist nach, wie durch „Durchgrünung" von Industriearealen, die Reduzierung des Flächenverbrauchs 120 ha täglich! alte Fehler korrigiert und neue vermieden werden können. Eine lesenswerte Einführung in den Themenbereich weit eher denn ein Handbuch: Wer Bausteine zu einer verantwortungsvollen, zukunftsorientierten Stadtentwicklung sucht, findet hier wertvolle Argumente und Belege dafür, daß sich neben der fortgesetzten Zerstörung urbanen Siedlungsraumes auch positive Entwicklungen nachweisen lassen.

Ökologie und Stadterneuerung. Anforderungen, Handlungsmöglichkeiten und praktische Erfahrungen. Hrsg. v. Tomas Grone und Fred Ranft. Köln: Dt. Gemeinde Verl. (u. a.), 1988. 221 S.