Dominique Hauderowicz, Kristian Ly Serena

Age-Inclusive Public Space

Ausgabe: 2020 | 3

Öffentlicher Raum braucht Zugänglichkeit und Platz zur Vermischung, um als eben solcher zu funktionieren – für alte Menschen oft eine Herausforderung. Dem Umgang mit eben dieser Herausforderung widmen sich die zwei aus Kopenhagen stammenden Architekten Donimique Hauderowicz und Kristian Ly Serena. Herausgekommen ist ein Sammelband, in dem Soziologinnen, Architekten und Gerontologen über die Inklusion alter Menschen in den öffentlichen Raum nachdenken. Eine gute „Umwelt“ fürs Altern baut auf zwei Kernprinzipien, die im Buch ausführlich behandelt werden: agency und belonging – erstere als Fähigkeit, Kontrolle und Autonomie über das eigene Leben zu behalten, zweitere als Möglichkeit zur Bildung einer stabilen Identität.

Ein öffentlicher Raum, der agency und belonging auch für alte Menschen zulässt, sollte den körperlichen Aspekten des Alterns Rechnung tragen. Die räumliche Nähe von öffentlichem Raum und den Wohnungen alter Menschen ist eine simple Maßnahme, die viel bezüglich Zugänglichkeit verbessert – und sei es einfach nur, zurückgezogenen Alten die Möglichkeit zur Beobachtung zu geben: „If we can come to understand gazing as a subtle, yet nevertheless meaningful form of social contact, perhaps we can imagine a more effective balance between organized forms of contact and those that more spontaneously follow from the design of homes and the built environment.“ (S. 83) Die starke Funktionalisierung von Räumen nach dem zweiten Weltkrieg erweist sich hier als problematisch: Abgegrenzte Orte für Kinder, Sportler-innen, Spaziergänger, Pendlerinnen sind häufig lieblos und erschweren soziale Beziehungen. Diese aber sind Voraussetzung für funktionierende Nachbarschaften, die erwiesenermaßen positive Effekte auf Lebensqualität und Gesundheit im Alter haben. 

Öffentlicher Raum sollte daher als intergenerationale Kontakt-Zone verstanden werden. Schön gestaltete, doch wiederum abgegrenzte Bereiche nur für alte Menschen, wie die derzeit boomenden „Spielplätze für Alte“, unterminieren generationenübergreifende Inklusion (vgl. S. 166f.). Letztendlich wird es auf Grund der demographischen Entwicklung unausweichlich, Stadtplanung neu und inklusiv zu denken.