Gesellschaftsverträge bei Carlo Petrini und Luis Sepúlveda Idee von GlückDer „Degrowth-Bewegung“ nahe steht ein schmaler Band „Eine Idee von Glück“, der Gespräche zwischen dem Begründer der Slow-Food-Bewegung, Carlo Petrini, und dem chilenischen Autor und Aktivisten Luis Sepulvéda wiedergibt. Das mit Essays der Autoren angereicherte Buch gibt Einblick in das Denken und Wirken zweier Mitbegründer einer Bewegung gegen Kommerzialisierung und Konsumismus (beide Autoren sind Jahrgang 1949). Die Ausführungen setzen auf neue Nischen-Ansätze in den Zentren des Kapitalismus ebenso wie auf Impulse aus Lateinamerika durch die Indio-Bewegung. Als Vorbild wird etwa Pepe Mujica, bis 2015 Präsident von Uruguay, genannt. Petrini wie Sepulvéda sehen in der permanenten Beschleunigung (gesprochen wird von „Gerenne“) eine wesentliche Ursache für das sinkende Wohlbefinden vieler Menschen.

Gesellschaftsverträge bei Björn Kern„Das Beste was wir tun können, ist nichts“, damit bringt Björn Kern das Grundprinzip der Anhänger des Minimalismus auf den Punkt. „Ich brauche nicht fortzugehen, um aufzubrechen, ich muss nichts tun, nur das Richtige unterlassen“, so der Autor pointiert gleich zu Beginn (S. 5), um ein paar Seiten weiter zu verraten, dass dies gar nicht so leicht, da gesellschaftlich keineswegs akzeptiert sei: „Wer nichts tut, befindet sich in der Verteidigungshaltung. Wer seine Gesundheit nicht ruiniert und keine Dinge erwirbt, die seine Lebensgrundlage zerstören, und dann auch noch gut gelaunt ist, weckt Unmut.“ (S. 7) Eine humorvolle wie geistreiche Abhandlung über die Fallen der Konsum- und Arbeitsgesellschaft. Der in Berlin und Brandenburg lebende Schriftsteller (bisher drei Romane) provoziert, spart nicht mit (Selbst-)Ironie und möchte damit zur Veränderung beitragen.

Joachim Weber nachhaltiges Handeln nachhaltige PolitikDass Nachhaltigkeit insbesondere neuer politischer Rahmensetzungen bedürfe, betont schließlich der Experte für Wirtschaftsrecht Joachim D. Weber in „Wie wollen wir leben?“ Weber macht zahlreiche Vorschläge, insbesondere plädiert er für einen neuen „Gesellschaftsvertrag der Nachhaltigkeit“, der ins deutsche Grundgesetz übernommen werden sollte und die Begriffe „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“ den neuen Gegebenheiten anpasst.

 

 

Kritische Studien zu Markt und GesellschaftDass „Marktwirtschaften“ sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können – und in historischer Perspektive auch waren, was etwa am sich wandelnden Eigentumsbegriff abzulesen ist -, zeigt der Sammelband „Markt! Welcher Markt!“, der auf hohem theoretischen Niveau die wissenschaftlichen Diskurse zum Thema erörtert.

 

 

 

Weltweite Energiepolitik Klima Mutter ErdeHingewiesen sei hier zuletzt auf den Band mit dem zugegeben etwas pathetisch anmutenden Titel „Mutter Erde ruft um Hilfe“ von Ernst Scheiber und Kurt Ceipek, mit Interviews, geführt von den Herausgebern mit den ausgewiesenen Energie- und Klimaexperten Heinz G. Kopetz (Österreichischer Biomasseverband) und Klaudia Kemfert (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung).

 

 

 

 

Bei Amazon kaufenPetrini, Carlo; Sepulvéda, Luis: Eine Idee von Glück. München: oekom, 2015. 167 S., € 16,95 [D], 17,50 [A] ; ISBN 978-3-86581-735-8

Bei Amazon kaufenKern, Björn: Das Beste was wir tun können, ist nichts. Frankfurt: Fischer, 2016. 247 S., € 9,99 [D], 10,30 [A] ; ISBN 978-3-596-03531-1

Bei Amazon kaufenWeber, Joachim D.: Wie wollen wir leben? Analysen, Konsequenzen und Vorschläge für nachhaltiges Handeln ... Berlin: Berliner Wissenschaftsverl., 2016. 83 S., 16,90 [D], 17,50 [A]; ISBN 978-3-8305-3610-9

Bei Amazon kaufenMarkt! Welcher Markt? Der interdisziplinäre Diskurs um Märkte und Marktwirtschaft. Hrsg. v.Ötsch u. a. Marburg: Metropolis, 2015. 419 S.,€ 34,80 [D], 36,-  [A]; ISBN 978-3-7316-1161-5

 Bei Amazon kaufenMutter Erde ruft um Hilfe. Klima: Alarmstufe rot. Hrsg. v. Ernst Scheiber u. Kurt Ceipek. Wien: Verl. DTW, 2015. 160 S., € 18,- ; ISBN 978-3-200-04082-3