Längst ist das Thema Arbeitsplätze in den Sonntagsreden der Politiker nicht mehr wegzudenken. Schlagworte wie Flexibilisierung, Leiharbeit, Job-sharing oder Billigarbeit machen die Runde. Ernsthafte Vorschläge zur Verminderung der Massenarbeitslosigkeit (derzeit 4,7 Mio. Arbeitslose in Deutschland) sind nicht in Sicht oder verlieren sich im Widerstreit der Interessensgruppen. Papier ist bekanntlich geduldig, und so wundert es nicht, daß optimistische Ratgeber fehlende langfristige Konzepte wettmachen wollen. Einfache Rezepte lesen sich dann auch so, als brauche man nur die Zeichen der Zeit zu erkennen, etwas Mut und Kreativität. und dem Traumjob steht nichts mehr im Wege. So auch im vorliegenden Beitrag des Wirtschaftsjournalisten Joachim Merkl, der zeigt. welche Trends mittel- und langfristig erfolgversprechend sind. Der Autor kritisiert zwar zunächst die in Deutschland besonders ausgeprägte Vorsicht und das Sicherheitsdenken bei der Frage nach Selbständigkeit. Nur neun von 100 Erwerbstätigen ziehen eine selbständige berufliche Existenz vor. Anhand von Marktanalysen versucht Merkl zu belegen, daß schon heute ein ständig steigender Bedarf an neuen Berufen, originellen Geschäftsideen und aussichtsreichen Branchen existiert. Er zitiert einen Bericht, wonach im Bereich der Informationsindustrien innerhalb von zehn Jahren mit einer Verdoppelung der Umsätze zu rechnen sei. Jedenfalls rechnen die Experten bis zum Jahr 2000 und darüber hinaus mit der Beschleunigung des technologischen Wandels. Auch die Entwicklung von der ”produktions-" hin zur "Dienstleistungsgesellschaft" ist in vollem Gang: Im Vergleich zu heute dürften in diesen Branchen im Jahr 2010”rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze hinzukommen - vor allem bei Handels- und Beratungsberufen, bei Banken und Versicherungen". Dann werden zwei Drittel aller Erwerbs-  tätigen in Dienstleistungsberufen arbeiten und nur noch zehn Prozent der Arbeiten werden ohne Berufsausbildung verrichtet werden. Ohne auf die vom Autor favorisierten Jobs von morgen und den Zukunftsbranchen einzugehen, scheint m. E. die Trendanalyse allzu plakativ, obwohl Merkl am Schluß selbst einräumt, daß die Zukunftsprognose schwierig ist und von zahlreichen Faktoren abhängt. A. A.

Merkl, Joachim: Neue Berufe mit Zukunft. Lukrative Chancen und sichere Jobs in den richtigen Branchen. Düsseldorf: Econ-Verl., 1996. 220 S. (Econ Praxis)