Flexibilisierung der Arbeit aus der Sicht der Unternehmen meint im Wesentlichen die Schaffung von Spiel räumen zur Anpassung der Arbeitszeiten an die jeweilige Auftragslage. In Zeiten hoher Aufträge wird länger gearbeitet, diese Mehrzeiten werden aber nicht als Überstunden abgegolten, sondern auf ein Zeitkonto gutgeschrieben, von dem in Phasen geringerer Aufträge Zeit in Form von Freizeit abgebucht werden kann (muß). Was bis dato in begrenztem Rahmen als "Zeitausgleich" stattgefunden hat, soll in Zukunft (zumindest nach den Autorinnen dieses Bandes) zur generellen Leitlinie der Arbeitszeitgestaltung werden und findet auch bei den Gewerkschaften zunehmende Akzeptanz. (So wurde in der Chemiebranche beispielsweise jüngst ein Rahmenvertrag über 35-40 Wochenstunden bei einer Standardwochenarbeitszeit von 37,5 Stunden vereinbart.) Die Publikation berichtet von mehreren solcher Beispiele flexibler Arbeitszeitgestaltung in deutschen Unternehmen. Neben herkömmlichen Zeitausgleichssystemen findet man auch Berichte über sogenannte Langzeitkonten, über die" Frei-Zeit" für Bildungs- oder Pflegeurlaube sowie für gleitende Übergänge in die Pension angespart werden können Selbst die Möglichkeit, vom Unternehmen Arbeitszeit zu kaufen, soll zukünftig angeboten werden. Mehrere Beiträge thematisieren zudem Teilzeitmodelle (individuelle Arbeitszeit, Wahlarbeitszeit) sowie die Zukunft der Tele(heim)arbeit Den Unternehmensberichten vorangestellt sind grundsätzliche Perspektiven über die Zukunft der Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland: der Weg in die Dienstleistungsgesellschaft, der Ruf nach einer Qualifizierungsoffensive sowie der (geforderte) Wandel der Arbeitnehmerinnen zu eigenverantwortlich agierenden Mitarbeiterinnen werden hierfür als Zukunftsmarkierungen angegeben. Die generelle Arbeitszeitverkürzung wird hingegen von vielen der zu Wort kommenden Unternehmer ablehnend beurteilt. Der wachsende Konkurrenzdruck zwinge zu weiteren Effizienzsteigerungen, die Arbeitskosten müßten daher gesenkt und nicht erhöht werden. Der Ex-Gewerkschafter und Volkswirtschaftler der Universität Wiesbaden, Johann Welsch, warnt hingegen vor einer deregulierten ”Nomadenökonomie ", Er plädiert nicht nur für die Neuverteilung der Arbeit, sondern auch für ein "Wirtschaftsbürgertum ", womit er die verstärkte Partizipation der Arbeitnehmer an den betrieblichen Entscheidungen meint. Den optimistischen Ausblick bietet, allen Warnungen und Klagen zum Trotz, der Wirtschaftsjournalist Heik Afhelt, wenn er vorrechnet, daß vor 100 Jahren für ein durchschnittliches Erwachsenenleben etwa 50000 arbeitsfreie Stunden verfügbar waren gegenüber 300 000 heute und voraussichtlich 450000 im Jahr 2050. H. H.

Flexibilisierung der Arbeit. Chancen und Modelle für eine Mobilisierung der Arbeitsgesellschaft. Hrsg. v. Joachim Gutmann. Stuttgart: Schäffer-Poeschel, 1997.388 S., DM/sFr 78,-/ÖS 570,-