Die Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise erfordert eine grundlegende Änderung bestehender Produktions- und Konsummuster. Diesbezügliche Handlungsoptionen wurden im Sinne der „Agenda 21“ seit 1992 in verschiedenen Studien (Enquete-Kommission, World Resources Institute, Zukunftsfähiges Deutschland) vorgetragen. Die vorliegende Veröffentlichung basiert auf einem Forschungsvorhaben, bei dem untersucht wurde, inwieweit neue Nutzungskonzepte von Konsumgütern – etwa durch Wartung, Reparatur, Miete oder Sharing   tatsächlich zu einer merklichen Erhöhung der Ressourcenproduktivität beitragen können, und wenn ja, unter welchen Bedingungen dies der Fall ist.

Zunächst wurden anhand umfangreicher Literaturbefunde Begriffe wie Produkt, Dienstleistung, Lebensdauer, Nutzungsdauer etc. definiert und zentrale Einflussfaktoren (von Eco-Design über Mode bis zu wirtschaftlichen Erwägungen) auf Nutzungsdauer und –intensität sowie die ökologischen Wirkungen von Strategien einer längeren und intensiveren Produktnutzung (Pkw, Textilien) beschrieben.

In der zweiten Arbeitsphase, dem Kernstück des Vorhabens, ging es um Hinweise auf nachfrageseitige und konsumbereichsübergreifende Einstellungen bei 997 Bundesbürgern durch eine repräsentative Verbraucherumfrage. Hinterfragt wurden dabei die dauerhaften und eigentumslosen Nutzungsmuster von Konsumenten.

Schließlich wurde an den Beispielen private Textilwäsche (im Waschsalon) und Wintersport (Skiverleih) die Voraussetzungen für den Erfolg alternativer Nutzungskonzepte aufgezeigt. Nachweislich lässt sich derart die Ressourcenproduktivität deutlich erhöhen, der Effizienzvorteil beim Waschen im Salon  im Waschsalon liegt etwa bei einem Faktor von 2,4.. Derzeit also scheinen Produktivitätssprünge in Höhe eines Faktors vier oder gar zehn, die als Richtschnur für die mittel- bis langfristige Realisierung einer ökologisch nachhaltigen Entwicklung (vgl. dazu PZ 2/00*151, PZ 1/01*31) gelten, also noch nicht erreichbar zu sein.

Im letzten Arbeitsschritt standen die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Konsumbereiche (mit der Empfehlung zur Weiterentwicklung solcher Ansätze auf einzelne, bestimmbare Zielgruppen) im Mittelpunkt des Interesses. Zusammenfassend belegt die Untersuchung, dass dauerhafte Konsumformen breitere Akzeptanz finden als eigentumslose Formen des Mietens oder Leihens. „Diese hat allerdings ihre ökonomischen Grenzen an der Stelle, wo die Reparaturkosten in etwa dem Preis einer Neuanschaffung entsprechen.“ (S. 152) Mögliche politische Aktivitäten sehen die Autoren u. a. in der Attraktivitätssteigerung des Gebrauchtwarenhandels (Qualitätslabels, Leistungsgesetze), in der Ausschreibung von Ideenwettbewerbe für besonders langlebige Produkte, in der Auslobung von Preisen und nicht zuletzt in Informationskampagnen über Vorteile der Verwendung langlebiger, aufrüstbarer Produkte.

Vervollständigt wurde die empirische Arbeit durch die Erstellung einer internetfähigen Datenbank (www.ioew.de/nutzungskonzepte), die über 100 Praxisbeispiele verbrauchernaher Serviceleistungen von Second Hand-Kaufhäuser über Reparaturdienstleistungen bis hin zu Vermietungsangeboten u. ä. m., geordnet nach Konsumbereichen (Bauen/Wohnen, Verkehr, Freizeit/Sport/Touristik etc.), versehen mit Kurzbeschreibung, Kontaktadresse und ev. Hyperlinks dokumentiert. Bei einem Check der Datenbank war diese zwar aufgrund eines cgi-Errors leider nicht verfügbar), die Seite bietet darüber hinaus aber weitere Informationen über die hier besprochene Untersuchung. A. A.

Nachhaltige Produktnutzung. Sozial-ökonomische Bedingungen und ökologische Vorteile alternativer Konsumformen. Hirschl, Bernd ... (Mitarb.). Berlin: Ed. Sigma, 2001. 163 S., DM 29,80 / sFr 27,50 / öS 218,-