Die fortschreitende Verseuchung der Meere wird uns in fast täglich neuen Katastrophenmeldungen von den Medien immer wieder Ins Bewußtsein gerufen. Endlich jedoch beschreibt ein Buch umfassend diese Problematik. In Teil I geht es um die ökologische Funktion, die Lebensformen und Nutzung durch den Menschen. Im 11. Teil werden die wichtigsten Gifte wie Öl, Industriemüll und Radioaktivität und ihre Auswirkungen charakterisiert. Genaue Angaben über die jeweils größten Unfälle liefern einen erschreckenden Spiegel unserer Achtlosigkeit. Breiter Raum wird im Folgenden den Prognosen und Bemühungen um eine Verbesserung der Situation eingeräumt. Der Autor erhebt heftige Anklagen gegen die Behandlung der Umweltprobleme von Seiten der Wissenschaftler und Politiker. Darin sieht er die eigentlichen, hinter allem verborgenen Gefahren, die den gesamten Erdball bedrohen. Schon in der Einleitung warnt er eindringlich vor Taktiken der Verwirrung und Beschönigung, die die bedrohliche Lage in milderes Licht tauchen, nicht ohne seine Kritik mit konkreten Beispielen zu untermauern. Demgegenüber ist es wirklich gelungen, sachlich fundiert und verständlich den Ernst der Lage darzustellen. In einem aktuellen Nachtrag erläutert Bernd Dost die jahrelange Absehbarkeit jener ökologischen Katastrophen, die 1988 Schlagzeilen machten: Robbensterben und Algenblüte ("Killeralge"). In Karten und Tabellen ist die aktuelle Lage der Küsten der Nord- und Ostsee und des Mittelmeeres ersichtlich. Nicht ohne einen fundierten Katalog von Forderungen anzuschließen und die berechtigte Frage "Warum schweigen wir?" aufzuwerfen. Ein engagiertes Buch, das obwohl auch ein sachliches Nachschlagewerk den Leser in Ergriffenheit zurückläßt und sehr deutlich macht, daß die Vergiftung der Meere nicht nur zufällig und vorübergehend ist, sondern ein unentrinnbarer Begleitumstand wachsender Industrialisierung und Achtlosigkeit in unseren Lebensgewohnheiten.

Gourlay, Ken A.: Mord am Meer. Bestandsaufnahme der globalen Zerstörung. München: Raben, 1988, 348 S.