Unser Umgang mit der Umwelt kann wahrlich nicht als rational bezeichnet werden. Doch welche Möglichkeiten haben wir überhaupt, im Sinne der Umwelt vernünftig zu handeln? Zur Klärung dieser Frage hat die Gruppe für Humanökologie am Geographischen Institut der TH Zürich eine Seminarreihe veranstaltet. Eine Auswahl der Beiträge ist hier dokumentiert, davon wiederum nur eine Auswahl in dieser Rezension gewürdigt.

Christian Thomas, Lehrbeauftragter an der Uni Bern, kritisiert zunächst die klassische Naturwissenschaft aufgrund ihrer verkürzten Auffassung von Rationalität, die keinen Bezug zur Gesamtheit der Lebensumstände aufweise und ästhetische, emotionale und intuitive Erkenntnisfähigkeiten meist ignoriere. Der Wissenschaftler plädiert für eine Öffnung zu künstlerischen Erkenntnisformen und Motivationen, weil die aus der engagierten Ökologie der 70er Jahre hervorgegangene" Umweltnaturwissenschaft' kaum Lösungsansätze zur Krise beitrage. Der Pädagoge Markus Waldvogel diskutiert die technokratisch verengte Sprache innerhalb des ökologischen Diskurses, wenn beispielsweise von Gesetzmäßigkeiten vernetzter Systeme (F. Vester) die Rede ist. Er vertritt die Auffassung, daß es weit eher die poetischen Zugänge zur Welt sind, die das Einzigartige des Seienden wahrnehmen und darstellen.

Die Vermittlung konkurrierender Ansprüche der Zeit ist Thema des Sozialwissenschaftlers Heinz Kleger, der überlegt, ob und wie sich Rechte künftiger Generationen begründen und institutionalisieren lassen. Seine Vorstellungen setzen eine verantwortliche Zivilität voraus und münden in der Idee eines Systems der Stellvertretung, die Rechtsansprüche einfordern kann. Der Philosoph Peter Dews weist seiner Disziplin die praktische Aufgabe zu, ein neues Umweltbewußtsein zu fördern, indem sie das verwissenschaftliche Weltverständnis kritisiert und dagegen die Vernünftigkeit der Annahme einer kreativen und selbstbezüglichen Natur (H. Jonas) begründet. Im abschließenden Beitrag vertritt der Humanökologe Dieter Steiner die These, daß zwischen Umwelt- und Geschlechterproblematik Parallelen bestehen. Für die Zukunft wäre seiner Ansicht nach eine integrativ wirkende Gegenbewegung zur männlichen Prägung unserer Kultur erforderlich. Erwähnenswert sind noch die zahlreich abgedruckten naturalistischen Bilder Jürg Kreienbühls, die die Thematik eindrucksvoll veranschaulichen.

A. A.

Vernunft angesichts der Umweltzerstörung. Hrsg. v Wolfgang Zierhofer ... Opladen: Westdt. Verl., 1994. 270 S. ca. DM! sFr 49,- / öS 382