Im Februar 1981 stellt Gunar Seitz den Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer, den er vorrangig ökologisch-humanitär begründete. Dieses Dokument wurde jedoch in allen Instanzen sowohl des Verwaltungsverfahrens als auch der Gerichtsbarkeit (Bundesverwaltungs- und Bundesverfassungsgericht) abgelehnt. Im Buch unternimmt der Autor den Versuch, seine lebensgeschichtlichen, philosophischen und politischen Positionen detailliert darzustellen. In Auszügen ist die Chronik seines Falles im oben angeführten Artikel der Frankfurter Rundschau (FR) wiedergegeben. Seitz versteht Ökologie als »Lehre vom Ganzen der Wirklichkeit« und ist daher  der Auffassung, dass -die Begriffe Leben, Ökologie und Naturschutz für meine Begründung vollauf genügen sollten«, (FR, S. 11) Besonderes Anliegen sind ihm die verheerenden Wirkungen, die das .Militär auf den Naturhaushalt ausübt. Er nennt naheliegende Beispiele wie Flurschäden oder Lärmbelastung durch tieffliegende Flugzeuge, weist aber auch auf Unfallserien hin, in die Pershingraketen verwickelt waren. Rein soziale oder gar gewissensindividuelle Motive schloss Seitz bei seiner Argumentation aus: »Religiöse Begründungen kamen für mich als philosophisch denkenden Menschen eh nicht in Betracht, da dies meines Erachtens einem Rückfall in Bewusstseinsmäßig altertümliche Zeiten gleichgekommen wäre.« (FR, S. 11) 

Dieser erste bekanntgewordene Fall einer explizit ökologischen Kriegsdienstverweigerung in der Bundesrepublik Deutschland liefert einen wesentlichen Beitrag in der Diskussion um die zerstörerische Dimension waffenstrotzender Verteidigung sogar in Friedenszeiten. Die Beweisführung von Gunar Seitz erregte Aufmerksamkeit und fand bundesweite Unterstützung (BBU, BUND). Es ist dies ein weiterer Beweis vielfältiger Möglichkeiten selbst Einzelner zu aktivem Widerstand gegen Lebenszerstörung und Gewaltausübung. Die zunehmend kritische Auseinandersetzung mit sozialen und ökologischen Fragen im Zusammenhang mit militärischer Technologie dokumentiert auch das Buch Tiefflug. Hrsg. v. Olaf Achilles. Bornheim: Lamuv, 1987, 171 S. (Lamuv Tascnenbucn; 51);   

 

Seitz, Gunar: ökologische Verweigerung. Kassel: Weber, Zucht & Co., 1987,97 S.

Seitz, Gunar: »Jede Zerstörung führt zur ökologischen Verarmung«, Über die globale Naturzerstörung des Militärs und den juristischen Wert (des) Gewissens. In: Frankfurter Rundschau. 1987, Nr. 176 v. 3.8., S. 10