Dieser aufwendig gestaltete Bildband dokumentiert die Arbeit eines WDR-Filmteams in Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftlern, die die Lebenskraft (Regenerationsfähigkeit) des Mittelmeeres und langfristige Einflussfaktoren (Sterben der Meeresböden, Erwärmung des Tiefenwassers, das Versiegen großer Flüsse) sowie die Grenzen der Belastbarkeit erforschten. Es ist schwer zu glauben, dass dieses Meer die Katastrophen der ÖI- und Abwasserverschmutzung im Unterschied zur Nord- oder Ostsee einigermaßen unbeschadet überstanden haben soll. An Frankreichs Küste hat sich der Zustand in den vergangenen Jahren nach Auskunft eines Forschers sogar verbessert. Allerdings, so Thorwarth, haben die letzten dreißig Jahre mehr verändert als die 3000 Jahre zuvor. Dies veranschaulichen Momentaufnahmen im Krisengebiet Nord-Adria, im Rhone-Delta, in der Straße von Gibraltar oder in der Portman-Bucht. Aus den sieben Mündungsarmen des Po-Deltas entlässt eine der großen Industrieräume Europas mit über 200000 EinzeIbetrieben seine Abwässer in die Adria.  So wird denn der relativ optimistische Eindruck vom klaren Blau - trotz vieler schöner Unterwasseraufnahmen - getrübt durch jüngste Untersuchungen. Als alarmierende Signale werden Wassernotstand in den Anrainerstaaten, Veränderung des Wärmehaushaltes um mehr als ein Zehntel Grad und der erwartete Meeresspiegelanstieg in den nächsten drei Jahrzehnten um 20 cm genannt. Zudem erwarten Experten an der Küste im Süden und Osten erheblich mehr Probleme durch gesellschaftliche als durch klimatische Veränderungen. Die ökologische Katastrophe kann, so der Autor, nur durch entsprechend rasches Handeln verhindert werden.  Dies scheint angesichts bisheriger Erfahrungen äußerst fraglich. In der Nord-Adria begnügt man sich zum Wohle des Tourismus mit Symptombehandlung: neue Katastrophen bahnen sich in Gestalt der "Killeralge" bereits an. Alfred Auer

Thorwarth, Alfred: Mittelmeer 2000. Die nächsten Jahre entscheiden. Hamburg: Hoffmann u. Campe, 1992.208 S., DM 49,80/ sFr 42,20 / öS 388,40