Walter Jens und Hans Küng treten für eine verantwortliche Sterbehilfe ein. Darüber hinaus fordern sie den angemessenen Umgang mit dem eigenen Tod "mitten im Leben". Denn die meisten Menschen verdrängen das Wissen um den eigenen Tod, da es für sie "existenziell bedrückend ist". Menschenwürdig sterben ist für den Theologen Küng nur möglich, wenn das Sterben nicht einfach als" Endphase des Lebens", sondern vielmehr als" Dimension des Lebens" verstanden wird. Der Mensch lebt "freier, der seinen Tod nicht verdrängt, sondern bewußt annimmt". Da aber in der heutigen "Erlebnisgesellschaff' selbst im Krankenhaus nur hinter vorgehaltener Hand vom Sterben gesprochen wird, gilt es eine bewußte Einstellung dazu "einzuüben".

Dabei sind für Küng die von Elisabeth Kübler-Ross gesammelten “Nahtoderlebnisse" von klinisch Toten ambivalent. Einerseits sind diese Erlebnisse (Licht am Ende eines Tunnels, Rückschau auf wichtige Stationen im Leben) "Symptome eines menschenwürdigen Sterbens '', andererseits sagen sie nichts über den "biologischen Tod" als "unwiderruflichen Verlust der Lebensfunktionen" aus. Aber eben um jenen "totalen Tod" geht es. Der Kampf des Kranken gemeinsam mit Medizin und Angehörigen um Genesung ist sinnvoll, solange eine Heilung möglich ist, „doch ein Kampf gegen den Tod um jeden Preis ist unsinnig". Kann ein Sterbender das "bereits zerstörte Leben" und dessen "unbeschreibliche Schmerzen" nicht mehr ertragen, biete humane Sterbehilfe Erlösung.

"Zum menschenwürdigen Sterben gehört auch eine menschenwürdige Verantwortung für das Sterben." So schließt Hans Küng seinen Beitrag aus theologischer Sicht: "Wenn das ganze Leben von Gott in die Verantwortung eines Menschen gestellt ist, dann gilt diese Verantwortung auch für diese letzte Phase seines Lebens." 

Walter Jens weitet dieses Thema ins Literarische aus. Literatur sollte, so Jens, "entschiedener als bisher das Recht der Sterbenden ins Blickfeld rücken, das Recht, nicht leiden zu müssen, sondern in Frieden und Würde sterben zu können". In zwei weiteren Beiträgen werden von dem Juristen Albin Eser und dem Mediziner Dietrich Niethammer die jeweils fachspezifischen Aspekte der Sterbehilfe dargelegt.

M. K.

Jens, Walter; Küng, Hans: Menschenwürdig sterben. Ein Plädoyer für Selbstverantwortung. München: Piper, 1995.220 S., DM/sFr 29,80/ÖS 232,50