Die Pensionierung, wie sie vielerorts gehandhabt wird, ist problematisch für die Betroffenen wie für die Gesellschaft: viele Pensionierte fallen in ein "großes Loch", wenn sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr gebraucht werden; und die Gesellschaft beraubt sich andererseits vielseitiger Kenntnisse und (Berufs-)Erfahrungen. Seit etwa zehn Jahren haben sich in einigen Ländern Einrichtungen entwickelt, die diesem Problem mit bemerkenswertem Erfolg zu Leibe rücken, indem sie alten Menschen als "Senioren-Experten" oder “Aktivsenioren" sinnvolle und nachgefragte Betätigungsfelder eröffnen.

Interessenten für diese Art von Beratung sind überwiegend Existenzgründer, kleine und mittlere Betriebe oder Unternehmen in Osteuropa oder der Dritten Welt, die sich keine professionellen Unternehmensberatungen leisten können. Der Einsatz der "Senioren-Experten" erfolgt in der Regel auf Teilzeitbasis und grundsätzlich ehrenamtlich, Haftung wird natürlich nicht übernommen, Steuer- und Rechtsberatung sowie militärbezogene Fälle nicht akzeptiert. Beratungen werden vorwiegend angefordert in den Feldern Rechnungswesen, Kostensenkung, Betriebsgründung, Qualitätsverbesserung, Produktentwicklung, in der EDV und beim beruflichen Ein- oder Aufstieg von Frauen. Das Buch präsentiert diese Daten vorwiegend in Form von Interviews mit "Senior-Experten", wobei Organisationen und Einsätze in verschiedenen Ländern vorgestellt werden. Ein Adreßteil und Hinweise auf veröffentlichte Arbeitsberichte beschließen den Band, der lebendig und kompakt Aufschluß über eine bemerkenswerte "soziale Erfindung" gibt.

L. S.

Harenberg, Oliver: Senioren-Experten. Erfahrungen und Rezepte. Frankfurt/M. (u.a.): Campus, 1995. 129 S., DM 34,- / sFr 39,- / ÖS 265,-