Wie oft haben ihn unsere guten Wünsche hinauf in das unter dem Dach auch unserer Bibliothek gelegene "Bergwerk" begleitet, wie Robert Jungk nicht ohne Selbstironie seine Schreibwerkstatt nennt. Nun, da das Werk- in der Tat ein Opus magnum -zu Ende gebracht ist, bleibt dem Leser verborgen, wieviel Mühe es seinem Autor gemacht hat, "plötzlich auf der anderen Seite zu stehen, über das eigene Leben zu berichten, wo ich es doch stets gewohnt war, andere zu befragen". Wer sich indes auf das Abenteuer einläßt, das am 11. Mai achtzig Jahre umspannende, in sechzehn Kapitel geschilderte und mit anekdotisch-nachdenklichen "Splittern" angereicherte Leben Robert Jungks nachzuvollziehen, wird reich belohnt. In der Tat meldet sich hier ein "Zeuge des Jahrhunderts" wie immer eloquent und überzeugend zu Wort, bietet Einblick in eine schier unerschöpfliche Fülle von Erfahrungen und Begegnungen, die unsere Epoche - und mit Gewißheit auch die ersten Dekaden des kommenden Jahrtausends-entscheidend prägten bzw. gestalten werden. Will man zusammenfassen, was die Persönlichkeit Jungks auszeichnet, so sind es unstillbare Neugier und absolute Unbestechlichkeit. 1913 in ein weltoffenes, dem Theater und dem Film verbundenes Elternhaus hineingeboren, wird ihm die Niederlage des ersten großen Krieges und der schon wenig später für wache, kritische Geister zur bedrohlichen Gewißheit werdende Aufstieg des Nationalsozialismus zur prägenden Erinnerung. Von Egon Erwin Kirsch, dem "rasenden Reporter", den der Junge mit Köstlichkeiten aus der elterlichen Küche versorgt, erfährt er, daß das Außergewöhnliche, Berichtenswerte nicht in weiter Ferne, sondern tagtäglich "um die Ecke" sich ereignet. Bald schon wird er - angeregt von Begegnungen mit dem visionären Physiker Adrien Turel und vielen anderen, die hier nicht erwähnt werden können - zum wohlinformierten Chronisten, der, ausgehend vom Schweizer Exil, "durch Zufall" (wer die schier unglaubliche Rettung seiner Mutter aus einem französischen Internierungslager kennt, wird daran zweifeln, daß es ihn gibt) sein Thema findet - die Zukunft. Diese Autobiographie gibt nicht nur Einblick in die Werkgeschichte der Bücher, sondern berichtet - aufregend bis zur letzten Seite - über zahllose Begegnungen, die Jungk zum Kristallisationspunkt der" futurolo-  gischen Bewegung" (A. Toffler), zu einem ebenso vehementen wie unbeirrbaren Vorkämpfer einer helleren Zukunft haben werden lassen. Als "Stimme der Hoffnung" auch jenen gebührend Raum zu geben, die trotzdem - von der unstillbaren "Sehnsucht getrieben sind, daß wir alle einmal menschlicher leben werden", ist eines der historisch entscheidenden Verdienste dieses Bandes, mit dem ein bislang in seiner Fülle kaum zu ahnendes Lebenswerk - Rückblick und Aussicht zugleich - ebenso erstaunt wie verpflichtet.

Der bevorstehende achtzigste Geburtstag hat die Bibliothek für Zukunftsfragen und das Sekretariat für Zukunftsforschung dazu veranlaßt, eine Festschrift zu gestalten. Sie enthält neben persönlichen wie auch thematisch relevanten Beiträgen die bislang umfassendste Bibliographie: Die Triebkraft Hoffnung. Robert Jungk zu Ehren. Weinheim: Beltz, 1993. 331 S. (ZukunftsStudien; 7) DM 38,- / sFr 32,20/ öS 296,-