Wellness und Wohlfühl-Trend„Wellness“ avancierte zu einem der schillerndsten Begriffe der Gegenwartskultur. Er klingt nach Blumenwiese, Natur, nach Jungbrunnen, Energie tanken. Das magische Wohlfühl-Wort suggeriert; Gönn’ dir was Gutes für deine Gesundheit – und natürlich eignet sich „Wellness“ auch vorzüglich als Verkaufslabel – von der Wellness-Butter bis zur Wellness-Pille.

Was steckt nun wirklich hinter diesem Trend. Werden 10 oder 80 Prozent der Bevölkerung „Wellness-Fans“? Diese Frage stellen sich die AutorInnen der Trendstudie aus dem „Hause Horx“. Das vorliegende Dossier ist das erste in einer Reihe, in der das Zukunftsinstitut (www.zukunftsinstitut.de) in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Gfk, populäre Gegenwarts-Trends im Konsumsektor analysiert und dokumentiert.


Ganz allgemein sehen die Trendforscher den Begriff „Wellness“ in einem umfassenden Kontext. Er steht „für jene Lebensqualität des 21. Jahrhunderts, in der der Mensch nicht mehr nur abhängig von Natur oder Kultur ist, sondern in der er sich selbst und seine Lebensumwelt immer aktiver und bewusster gestaltet“. (S. 8) Folgende Megatrend-Einflüsse werden hinter der „Wellness-Welle“ ausgemacht: Individualisierung, Gesundheit, Longevity (Verlängerung der Lebensqualität im Alter), (erstarkender Einfluss von) Frauen, Spiritualisierung, Neue Mobilität und „New Work“ (Wandel der Arbeitswelt und des Arbeitsalltags). Die AutorInnen unterscheiden dabei zwischen „Konsum-Wellness“ (Verwöhnung, Entspannung) und „aktiver Selbstkompetenz“  (Lebensbalance).


Im Kontext der eben genannten Trends gelten u. a. Stressbekämpfung, Work-Life-Balance, Verwöhnen, Harmonie, körperliche Erfahrung, Beauty, erotische Lebensqualität (Wellness-Sex-Produktserie von Beate Uhse), Lebensverlängerung, Selbstverwirklichung, Gesundheit oder Lebensenergie als die wichtigsten Motive für „Wellness“. Hinzu kommt der bereits erkennbare Trend des „Energizing“: „Wo bekomme ich, angesichts der ständigen Überforderung, genügend ‚Power’ her, um die wachsenden Aufgaben zu meistern?“ (S. 24)


Was nun die Zukunft der Wellness-Branchen anbelangt, so gehen die AutorInnen davon aus, dass neue pharmazeutische Produkte („Lifestyle-Drugs“) ebenso wie neue Märkte (Internet-Verkauf), steigende Produktdifferenzierung bei Gesundheits- und Körperpflege, der Wellness-Tourismus und Functional Food einen Boom erleben werden. Der Blick auf zu erwartende Trend-Veränderungen in den kommenden Jahren zeigt einen Wandel vom „Wellness“-Konsum zum „Well-Being“, vom „Wellness“-Urlaub zum „Power-Urlaub“. Schließlich wird Lebenskompetenz „im Rahmen komplexer Dienstleistungen, einer boomenden Lebensberater-Branche und des öffentlichen Diskurses das eigentliche Zentrum der Wellness-Entwicklung der nächsten Jahre darstellen“. (S. 50) Insgesamt gilt der „Wellness-Trend“ als „eine qualitative und quantitative Steigerung dessen, was man vor zwanzig Jahren ‘Lebensqualität’ nannte – allerdings mit deutlich ich-orientierteren Vorzeichen“ (S. 34). Schließlich sind neben kurzen Ländervergleichen noch die Vielzahl an Internet-Adressen sowie eine Zusammenstellung der wichtigsten Dienstleistungen anhand von Beispielen und „Best Practice“–Empfehlungen zu erwähnen. A. A.

 

Bei Amazon kaufenHorx-Strathern, Oona; Horx, Matthias; Gaspar, Claudia: Was ist Wellness? Anatomie und Zukunftsperspektiven des Wohlfühl-Trends. Eine Publikation des Zukunftsinstituts v. Matthias Horx in Zusammenarbeit mit der GfK Marktforschung. Kelkheim, 2001. 63 Bl. (Trend-Dossier) DM / sFr 293,37 / ca. öS 2.137,-