Eine Weltordnung, in der einige wenige immer reicher werden und das Dahinsiechen der Mehrzahl der Menschen in der Dritten Welt als naturgegeben und notwendig angesehen wird, halten Ziegler und sein pseudonymer Co-Autor für inakzeptabel. Sie formulieren deshalb in Anlehnung an Rosa Luxemburg den "Marxismus des Widerstands" als Kritik der ausschließlich vom Finanzkapital produzierten Werte. Vorgebracht werden Gründe zur Verteidigung von Marx mit dem etwas eingeengten Blick auf sein philosophisches Werk. Dieses beinhaltet nach Ziegler die radikalste Kritik des kapitalistischen Systems, "das den Menschen sich selbst entfremdet, ihn auf seine reine Warenfunktion beschränkt". Marx setzt dem Alternativen wie das Recht auf Arbeit, gerechte Güterverteil oder die Abschaffung der Zwangsapparate entgegen. Und selbstverständlich hat Marx für die Autoren überhaupt nichts mit Lenin, Stalin, Pol Pot, dem Gulag und dem Stasi zu tun. Nach einem kurzen Rückblick auf den französischen Sozialismus schildern die Autoren die katastrophale Situation in Schwarzafrika auf drastische Weise. Sie fordern eine neue internationale Ordnung, eine Ethik der Verantwortlichkeit, "die die Einsamkeit der Dritten Welt bricht" und moralische Kritik an dem erdumspannenden Gesetz des Kapitals äußert. Schließlich werden in vier Porträts (Olaof Palme, Bernt Carlsson, Andre Chavanne und Bruno Kreisky) Beispiele eines Marxismus des Widerstands gewürdigt und die Sehnsucht nach einer "marxistischen" Sozialdemokratie wiederbelebt. Ein mutiges Unterfangen, die Ideale des Marxismus in einer Zeit zur Sprache zu bringen, in der alle anderen ihn für tot erklären. Hämische Reaktionen von Seiten der Kurzsichtigen sind zu erwarten. Gerade heute ist es besonders dringlich, die überzeugend vorgebrachte Kritik am Kapitalismus ernst zu nehmen. AA

Ziegler, Jean; Costa, Uriel da: Marx, wir brauchen Dich. Warum man die Welt verändern muss. München: Piper, 1992. 156 S., DM 26,-/ sFr 22,-/ öS 202,80