"Neben dem kühlen Verstand gehört das Sehen mit dem Herzen dazu, wenn unsere Zivilisation nicht scheitern soll". Daniel Goeudevert versteht sich als Pragmatiker mit Weitblick. Der geborene Franzose stand dem US-Unternehmen Ford in Köln vor und ist jetzt als Vorstandsmitglied bei VW Maßgeblich an der zukünftigen Orientierung des größten europäischen Automobilkonzerns beteiligt. Ein Mann also, der sich der über-nationalen Gesamtschau verpflichtet fühlt, der gerade als Manager erkannt hat, dass sich in Hinkunft die ganzheitliche Betrachtungsweise des eigenen Schaffens und die unternehmerische Gewinnorientierung keinesfalls ausschließen, sondern vielmehr einander bedingen. Goeudevert widmet deshalb weite Strecken seiner Betrachtungen über die weitere Entwicklung des Massenverkehrsmittels Auto dessen umwelt- und sozialschädigenden Auswirkungen. Mehrere Kapitel gelten Fragen einer langfristig orientierten und ethisch vertretbaren Technik- bzw. Ökonomieentwicklung. "Technik darf nicht der Zerstörung von Lebensgrundlagen Vorschub leisten, sondern muss der Entwicklung und Vervollkommnung unseres Lebens dienen, ohne in einen Widerspruch zu der uns umgebenden Natur zu geraten, deren Teil wir sind und bleiben". Goeudeverts Bekenntnis gilt unumwunden den Kräften der freien Marktwirtschaft, dem Motor des gesamteuropäischen Einigungsprozesses und dem Wiederaufbau Osteuropas. Ein Bekenntnis mit Folgen. Dass die freie, unbegrenzte Mobilität von Mensch und Ware sehr bald zum europaweiten Umwelt- und Verkehrsinfarkt führen könnte, stellt Goeudevert keinesfalls in Abrede. Seine Perspektiven gelten der Minimierung dieses Risikos bei gleichzeitiger Beibehaltung des Autos als wesentlichem Bestandteil wirtschaftlicher und persönlicher Freiheit. Auch Goeudevert zählt zu den unbedingten Verfechtern der europäischen Einigung und der aus ihr resultierenden Wachstumsprognosen. "Der Geist von Europa hat uns alle erfasst und in eine Art Taumel der Grenzenlosigkeit versetzt". Diesen Prozess mit seinen unkalkulierbaren gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen prinzipiell zu hinterfragen ist seine Sache nicht. Doch Goeudeverts nachhaltige Mahnung an Unternehmer und Politiker, dieser Aufgabe mit Umsicht und Weitblick zu begegnen (und seine scharfsichtige Kritik der vielfältigen Mängel an Führungsqualitäten in Wirtschaft und Politik), das alles hat Format. 

Goeudevert, Daniel: Die Zukunft ruft - Manager, Märkte, Motoren. Herford: Busse Seewald, 1990. 267 S., DM 39,80/ sFr 34,10/ öS 310,40