Das vorliegende Buch versteht sich weniger als spezifisches Werk über "Wirtschaftsethik",  sondern vielmehr als Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über das Verhältnis von Wirtschaft und Moral, das einem ständigen historischen Wandel unterworfen war. Die hier versammelten wirtschaftstheoretischen Abhandlungen lassen insgesamt einen eher skeptischen Grundton gegenüber einem moralischen Anspruch auf·die Ökonomie durchklingen und zweifeln an der Existenz einer Ethik, deren Maximen  die Wirtschaft sinnvoll regulieren könnten.

So lautet die aktuelle Fragestellung nicht mehr allein, inwieweit die Ökonomie der moralischen Verfassung der Menschen schade, sondern zusätzlich, ob und in welchem Maße die Moral der Ökonomie nützlich sein könne. Die mit hohem wissenschaftlichem Anspruch formulierten Thesen über Ökonomie, Tugend und Moral in ihren unterschiedlichsten Definitionen und Bedingungszusammenhängen laufen meines Erachtens auf einen wesentlichen Anspruch hinaus: wirtschaftlichen Belangen eine glaubwürdige, überzeugende Moral zugrunde zu legen. Die sehr komplex formulierten theoretischen Essays über den schwierigen Zusammenhang von Ökonomie und Moral beinhalten im Wesentlichen eine Option auf mehr ethisches Vorgehen und Sozialkompetenz in der Wirtschaft.

H.H.

Priddat, Birger P: Ökonomische Knappheit und moralischer Überschuß. Essays zum Verhältnis von Ökonomie und Ethik. Hamburg: S+W-Verl., 321 S., ca. DM/sFr68,-/öS 530,50  1994 .