Dietmar Dath war verantwortlicher Redakteur der am Popdiskurs geschulten Musikzeitschrift SPEX. Und er macht kein Geheimnis daraus, dass er Marx liest. Wer SPEX und Marx kennt, weiß, dass beide Quellen nicht nebenbei konsumiert werden können. Dietmar Dath sollte man auch nicht nebenbei konsumieren, seine Art zu schreiben, macht aber das Nachvollziehen seiner Argumente wesentlich einfacher.

Das Buch „Klassenkampf im Dunkeln“ macht nicht mehr oder weniger als einen Vorschlag, wie eine bessere Gesellschaft organisiert werden sollte. Dath wagt sich auf ein Terrain, über das seit 1989 wenig geschrieben wurde. Es geht um die Suche nach Alternativen zu unserer aktuellen Form des Zusammenlebens. Daths Alternative baut auf Marx´schen Grundideen, Einigem am Technikwissen und einer soliden Rezeption wissenschaftstheoretischer Diskurse der vergangenen hundert Jahre.

Und so geht die bessere, sozialistische Gesellschaft: Wir beginnen damit, unsere Lebenszeit in vier Formen zu gliedern: Arbeitszeit, Konsumzeit, politische Zeit (zum Beteiligen an gesellschaftlichen Entscheidungen) und unbestimmte Zeit (die kein Ergebnis haben muss). In der fiktiven Gesellschaft lautet die wichtigste Rechtsbestimmung: „Niemand darf in diesem Gemeinwesen über die Arbeitszeit einer anderen Person so verfügen, daß damit ein Zugewinn an Konsumzeit, politischer Zeit oder unbestimmter Zeit für diejenige Person erwirtschaftet wird, die fremde Arbeitszeit kommandiert und ihre Ergebnisse aneignet“ (S. 15) Energie und Information für die Arbeit wird in der politischen Zeit organisiert, das erspart Arbeit und bringt gemeinschaftlichen Gewinn von Konsumzeit, politischer Zeit und unbestimmter Zeit. Gesellschaftliche Planung wird notwendig.

Diese Planung könne funktionieren. Ausführlich stellt Dath die Einwände von Friedrich Hayek und Ludwig von Mises dar, die auf das Informationsproblem der Planung hinwiesen. Das Erheben von Bedürfnissen und Möglichkeiten sei zentral nie so effizient möglich wie durch Märkte. Dath hält dagegen, dass sich Märkte irren können, wie man an Preisblasen und Krisen sehen könne, noch nie habe es einen Markt ohne Staat gegeben. Und er argumentiert, dass seit Mises und Hayek sich Einiges getan habe in der Informationsverarbeitung und der Theorie dazu. Zum einen sei eine „vollständige Lenkung aller wirtschaftlicher Belange“ nie das Ziel einer zentralen Planung, nicht zuletzt, weil so etwas gar nicht denkbar sei. „Spätestens statistische Thermodynamik und Quantenmechanik haben ihnen beigebracht, daß es fürs praxisbezogene Menschenwissen stets um Wahrscheinlichkeiten und Näherungen geht, nicht um den absoluten deterministischen Weltautomaten des Herrn Laplace.“ (S. 47) Auch die Tradition der Unvollständigkeits- und Berechenbarkeitsforschung von Kurt Gödel und Alan Turing in den siebziger Jahren wird ins Feld geführt, um den „Popanz“ der kompletten Steuerung aus dem Feld der Diskussion zu schieben. Niemand strebe das an.

Auf dieser Grundlage stellt Dath dann die Marktlösung, die ihrerseits irrt und die in Situationen wie Naturkatastrophen versagt (Nachfrage nach Rettungsdiensten abhängig von der Kaufkraft?), einem Sozialismus gegenüber, der „etwas viel Bescheideneres als unschlagbare Programme (braucht). Er braucht Programme, die funktionieren.“ (S. 51) (S.W.)

Dath, Dietmar: Klassenkampf im Dunkeln. Zehn zeitgemäße sozialistische Übungen. Hamburg: KVV Konkret, 2014. 151 S., € 15,- [D], 15,40 [A] ; ISBN 978-3-930786-74-9