Man sollte sich nicht vor Büchern fürchten, nur weil sie einen Herausgeber haben, der „Marxistische Abendschule“ heißt; besonders dann nicht, wenn das Buch im Argument Verlag erschienen ist. Und tatsächlich ist das Buch „Aufhebung des Kapitalismus“ kein Schulungsskript, sondern ein (natürlich: relativ) buntes Sammelsurium an Thesen, die Marxistinnen und Marxisten zur Frage aufstellten, was zwischen Kapitalismus und Sozialismus kommt. Es gab Zeiten, da hätte die Verschiedenheit der Antworten dafür gesorgt, dass die Texte nie und nimmer in einem gemeinsamen Band erschienen wären. Heute geht das und es macht das Lesen abwechslungsreich.

Das Buch ist bei einer Tagung entstanden, die denselben Titel wie das Buch trug. 2013 traf man sich an der Universität Hamburg, Mitschnitte davon sind auch im Internet zu sehen (www.masch-hamburg.de). Die Herausgeber wollen, dass der Leser oder die Leserin sich mit ihnen auf die Suche nach alternativen Wegen der Gesellschaftsveränderung begibt. Welche realen ökonomischen Schritte sind zu unternehmen, um den Kapitalismus zu überwinden? 13 Autorinnen und Autoren wollen in dem Band Antworten vorschlagen oder zu Antworten beitragen. Der Band ist unterteilt in drei Gebiete: „Kritischer Blick zurück“, „Theoretische Grundlagen“ und „Politisch-praktische Ansätze“.

Natürlich wird beim Blick zurück auch der „chinesische Sozialismus“ diskutiert, eine Formation, die sich sozialistisch nennt, marktförmig produzieren lässt und wohl nur als Diktatur bezeichnet werden kann. Renate Dillmann schreibt, dass der Kern des Problems Chinas sei, dass man unbedingt in der Konkurrenz der Nationen bestehen wollte. Dafür habe man schließlich die sozialistische Ökonomie über Bord geworfen. (S. 27)

Bei den Beiträgen zu den theoretischen Grundlagen ist auch ein Text des Mitherausgebers Heinrich Harbach zu finden. Bei ihm heißt es: „Der Kernpunkt einer gesellschaftlichen Transformation, die zu besserer Bedürfnisbefriedigung führen soll, muss die sukzessive Substituierung der Funktionen und Formen des gesellschaftlich allgemeinen Äquivalents durch direkte Formen gesellschaftlicher Vermittlung sein.“ Diese Organisation der Bedürfnisbefriedigung abseits des Marktes werde möglich: „Es wird sicherlich keinen Computersozialismus geben, aber die technischen Mittel der Quantencomputertechnik sind die Voraussetzung dafür, ein naturwüchsiges, eigendynamisches Netzwerk wie die Wertformen durch einen höherwertigen Mechanismus zu ersetzen, der direktere gesellschaftliche Vermittlungsformen in der Produktion und Verteilung des gesellschaftlichen Produkts einsetzt.“ (S. 156)

Im Kapitel zu „politisch-praktischen Ansätzen“ werden konkrete Ideen diskutiert. Karl Reitter reflektiert über die Bedeutung eines Grundeinkommens für die Überwindung des Kapitalismus. „Das Grundeinkommen mag im Kapitalismus kaum zu verwirklichen sein, umso nötiger ist es für eine Gesellschaft auf dem Weg in den Kommunismus.“ (S. 228). Richard Detje erinnert an die Initiative des schwedischen Gewerkschaftsbundes aus den 1970er-Jahren, kollektives Eigentum durchzusetzen. Damals wurden 20 Prozent der Gewinne von Großunternehmen durch neu emittierte Aktien in einen Kollektivfonds überführt. Das hätte dazu geführt, dass profitorientierte Unternehmen mit ihren Gewinnen ihre eigene Kollektivierung gefördert hätten. Anfang der 1990er-Jahre wurde das Projekt aufgegeben, die wirtschaftsdemokratische Idee hatte kein Wurzeln geschlagen und kaum aktive Unterstützer.

 Aufhebung des Kapitalismus. Die Ökonomie der Übergangsgesellschaft. Hrsg. Marxistische Abendschule Hamburg. Hamburg: Argument-Verl.,, 2015. 279 S.,

€ 19,- [D], 19,60 [A] ; ISBN 978-3-86754-319-4