Vierzig, von 50 Autorinnen verfaßte Beiträge in bewährter Weise in sechs Teile gegliedert: Nüchterne Zahlen verweisen auf Vielfalt und Dichte der jüngsten Ausgabe des Jahrbuchs Ökologie, längst ein Standardwerk im deutschsprachigen Raum. Wenngleich an dieser Stelle das Spektrum der behandelten Themen nur skizziert werden kann, verdient doch der einleitende Beitrag der Psychoanalytikerin Thea Bauriedl besondere Erwähnung: Von der These ausgehend, daß nur eine "innere Kosten-Nutzen-Rechnung" den einzelnen dazu veranlaßt, sein Verhalten zu ändern, diagnostiziert sie eine "tendenziell selbstmordgefährdete Gesellschaft", die sich weigert, Problemlagen "wahr zu nehmen". Scheinbare Sicherheit und Ersatzbefriedigung durch Süchte aller Art (wie etwa Wachstumsphantasien) eröffnen indes nicht den Weg zu struktureller Veränderung. Vielmehr sind Konflikt- und Politikfähigkeit und der Diskurs in kleinen Gruppen Bausteine für die Gestaltung einer sozial und ökologisch tragfähigen Zukunft.   Die weiteren Aufsätze lassen sich als praxisorientierte Kommentare dieses überzeugenden Befundes verstehen. Überlegungen zu einer "Ökologie der Zeit" (M. Held), Chancen und Grenzen des “Verhandelns und Argumentierens in der Umweltpolitik" (S. Müller-Kraenner) seien aus dem" Perspektiven" -Kapitel hervorgehoben. In den "Schwerpunkten" wird zunächst der Frage nachgegangen, ob "der Norden zukunftsfähig" sei, wobei u.a. einschlägige Studien über die BRD und Österreich vorgestellt und auch kritisch beleuchtet werden. Die weiteren Themen sind den Aspekten “Landschaftsästhetik" (4 Beiträge), "Ökologische Verkehrspolitik" (5) und der Entwicklung internationaler Umweltpolitik zuzuordnen. Von einer erhellenden "Mythologie der Motorisierung", einem Plädoyer für elektrische Straßenfahrzeuge und einer Analyse der Fehler" wohlmeinender Verkehrsplanung" über die Chancen globaler Umweltveränderung als Aufgabe technischer und v. a. sozialer Entwicklung bis hin zu konkreten Beispielen „hoher Politik" (UN-Seerechtskonferenz, NAFTA) spannt sich der Bogen der gleichermaßen kompetent wie allgemeinverständlich vermittelten Beiträge. Der unterschiedlichen Sichtweisen Raum gebende "Disput" ist "dem größten Umweltproblem" in drei Facetten der Problematik von "Bevölkerungs- und Konsumexplosion" (R. Klanglos) auf der Spur, benennt, in den Worten Wolf Häfeles, den Zusammenhang von "Zivilisations- und Ökologiemustern ", Die Kapitel "Umweltgeschichte" (zu den Technik- und Umwelt-Enqueten des Deutschen Bundestages), "Exempel, Erfahrungen, Ermutigungen" (u.a. zum Modell "Wassergroschen" in Niedersachsen und den "Sieben Wundern der Nachhaltigkeit") und "Spurensicherung" (zum Begriff "Waldsterben") runden den Band ab. Man sollte ihn lesen und weiterreichen, nicht zuletzt auch, um auf die Stiftung Robert Jungks aufmerksam zu machen, der dankenswerterweise die Möglichkeit zur Selbstdarstellung eingeräumt wurde. W Sp.

Jahrbuch Ökologie 1996. Hrsg. v. Günter Altner ... München: Beck, 1995. 332S.