"Umweltbewusstsein" ist zu einer Alltagsvokabel geworden; jede und jeder beansprucht für sich, Umweltbewusstsein zu haben, sich über die Folgen des eigenen Tuns bewusst zu sein. Bestehen und vorerst noch unbeantwortet bleibt die Frage, warum dieses Bewusstsein so wenig Taten evoziert. Dieser Diskrepanz nachzugehen, ist das Anliegen der vorliegenden Dokumentation. Klaus Staeck kann dabei auf sein umfangreiches Umweltarchiv zurückgreifen, also Daten und Fakten zur Umweltzerstörung vorweisen und so die klaffende Schere zwischen überdurchschnittlich hohem Informations- und extrem niederem Reaktionsgrad versinnbildlichen. Als Journalist geht er sein Thema seit jeher direkt und - im wahrsten Sinne des Wortes- plakativ an: Er entwarf und entwirft Plakate, die die Widersprüchlichkeit der Aussagen der Politiker und Industriebosse mit der erlebbaren Wirklichkeit klar zum Ausdruck bringen. So montiert Staeck beispielsweise den Slogan "Die Zukunft gehört dem Auto. Eine Gemeinschaftswerbung der europäischen Automobilindustrie" über das Foto eines abgeholzten Waldes. Staeck ist nicht zimperlich, wohl aber empfindsam für die Verschleierungstechniken der professionellen Gesundbeter. So lässt er etwa der Tatsache, dass in drei Krematorien der Bundesrepublik Leichname längst nicht mehr verbrannt werden dürfen - die freigesetzten Schadstoffe überstiegen die vorgeschriebenen Grenzwerte bei weitem - Rückschlüsse auf den Zustand der Lebenden folgen. Da Staeck seine Kunst seit 1971 bewusst außerhalb der Galerien und Museen verbreitet, hat dem Thema "Umweltzerstörung" eine breite Öffentlichkeit erschlossen. 

Staeck, Klaus: Unser täglich Gift. Anschläge auf die Gleichgültigkeit. Göttingen: Steidl, 1989. 189 S., DM 9,80/ sFr 8,60 löS 76,50