In der Reihe einschlägiger Publikationen und Reihentitel, die von diversen Verlagen im ebenso verdienstvollen wie einträglichen Bemühen um ökologische Bewusstseinsbildung aufgelegt werden, nimmt dieser erstmals publizierte Band in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein: Weitreichende, tragfähige Perspektiven einer global orientierten Umweltpolitik werden schon zu Beginn skizziert. Unter dem Titel „Umweltpolitik 2000" macht u.a. Martin Jänicke darauf aufmerksam, dass Entwicklungshilfe primär die Änderung des (Staats-)Verhaltens bedeuten muss: Solange von 80 Mrd., DM an öffentlichen Geldern nur marginale 1,5% in den Umweltschutz, hingegen 33 % in die Strukturerhaltung fließen (1987), entpuppt sich der Aktionismus der staatstragenden Politstrategen als wortreiche Vernebelung langfristig unumgänglicher Veränderung. Den Dimensionen des Öko-Kolonialismus unter besonderer Berücksichtigung der weltweiten Klimaproblematik widmet sich Klaus M. Meyer-Abich; nebst einem profunden Beitrag Thea Bauriedls zur Psychologie der Gewalt gegen Menschen und Natur postuliert Johan Galtung fünf Prinzipien ökologischen Überlebens und gibt Rolf P. Sieferle unter dem Titel "GlobaI 2050" einen (derzeit noch) fiktiven Bericht, gegen den sich die Aussichten Orwells und Huxleys wie Ammenmärchen lesen, Als Schwerpunktthemen des Jahres haben die Herausgeber gewählt: Golfkrieg, Klimapolitik, Europa '92 und Mülldiskurs, Dass sich, um nur ein Beispiel zu nennen, das Volumen des Hausmülls im Ostteil Berlins (derzeit 280 kg/Einw. und Jahr) seit 1989 verdoppelt hat, muss zu denken geben. Sei es der Beitrag H.J. Luhmanns zur Geschichte öffentlicher Verdrängung und publizistischer Sensibilisierung im Kontext Waldsterben, seien es die Vielzahl interessanter "Erfahrungen - Exempel - Initiativen", denen ein eigener Abschnitt gewidmet ist, oder die Appelle zur ökologischen Selbstverpflichtung: Die Zusammenstellung dieses Bandes, in dem etablierten Fachleuten und engagierten Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen Raum gegeben wird, ist hoch zu schätzen. Bleibt zu wünschen, dass die geweckten Erwartungen auch in Zukunft erfüllt werden können und es mit engagierten Publikationen wie dieser doch gelingt, den latenten Verdrängungsmechanismen entgegenzuwirken, Ökologie

Jahrbuch Ökologie 1992. Hrsg., v. Günter Altner ." München: Beck, 1991.3835" DM 15,- / sFr12,50 / öS 115