Ein beeindruckender Abriss von Elmar Altvater über die "Ordnung rationaler Weltbeherrschung" durch das kapitalistische Akkumulationsmodell der Neuzeit und seine Folgen für die Natur eröffnet diesen Band der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift der in Berlin ansässigen Vereinigung zur Kritik der politischen Ökonomie. Als Trends arbeitet Altvater die Spaltung in Extraktions- und Produktionsökonomien sowie die Verschärfung der weltweiten Konkurrenz um Märkte (mit dem Wandel der Nationalstaaten zu "Wettbewerbsstaaten") ebenso heraus wie die Überlastung der Natur entsprechend dem Entropiegesetz als den modernen kapitalistischen Gesellschaften immanentes Prinzip, dem - mit Blick auf den Nord-Süd-Konflikt - deren Rationierung im Sinne der "Habenden" folgen werde.

Als Alternative sieht der kritische Ökonom die Herausarbeitung einer "Theorie der ökologischen Gerechtigkeit". Umgesetzt werden soll diese durch eine den Funktionsverlust der Nationalstaaten kompensierende transnationalisierte Zivilgesellschaft. Als "falsches Versprechen" bezeichnet Altvater das Konzept der "Sustainability", sofern diese vorgibt, dass es dabei nur Gewinner geben werde und niemanden, der zurückstecken muss. Die zukünftige Rolle internationaler, nichtstaatlicher (Umwelt-)Organisationen beleuchtet Karl Bruckmeier; auch er sieht die Hoffnung in einer "grassroots world order ", wobei er Chancen und Grenzen der NGOs aufzeigt.

Der Friedensforscher Ulrich AIbrecht bereichert die aktuelle Diskussion über die Rolle der Vereinten Nationen im Bereich der Friedenssicherung, indem er über das stark gestiegene Engagement der UNO in konkreten Konfliktherden hinaus - seit 1989 gab es mehr UN-Einsätze als in den 40 Jahren zuvor - (weiterhin) die Beseitigung der strukturellen Konfliktursachen einfordert (Akzentuierung des Nord-Süd-Konfliktes sowie globaler Umweltkonflikte statt "Kurieren von Symptomen"). Neben weiteren Beiträgen zur Problematik von Militärinterventionen seien noch die Ausführungen von Wolf-Dieter Narr erwähnt, der in seiner Auseinandersetzung mit Habermas und Luhmann und in Absetzung von deren abgehobenen, "geschlossenen" Theorien eine Beschreibung der" harten" Probleme der Welt gibt.


H. H.


Zum Thema siehe auch den PROKLA-Band 90. Regionalisierung der Weltgesellschaft. Nr. 1/1993, Jg. 23. (Beide Bände sind zu beziehen bei: Westfälisches Dampfboot, Dorotheenstr. 26a, 0-48145 Münster.) 

Internationale Institutionen 50 Jahre nach Bretton Woods. Hrsg. v. d. Vereinigung zur Kritik der politischen Ökonomie. Münster: Westfälisches Dampfboot, 1994. 168 S. (PROKLA 95; 24. Jg., Nr. 2) DM 18,-/sFr 17,30/ös 140