Zu völlig anderen Schlussfolgerungen wie die Anhänger globaler Ordnngspolitik kommt Michael Wolffensohn, Professor für Neuere Geschichte an der Bundeswehruniversität in München, in seinem Band "Zum Weltfrieden". Er schlägt eine radikale Dezentralisierung der Macht vor und setzt auf das Selbstbestimmungsrecht von Volksgruppen, wobei Mehrheitsrechte immer durch Minderheitenrechte ergänzt werden müssten. Nur so könnten Konflikte gelöst und Kriege verhindert bzw. beendet werden. "Die Vorstellung von der Dauerhaftigkeit unserer Staatenwelt" sei absurd, so der Experte.  Wolffensohn betrachtet vornehmlich politische Gebilde, die maximale Selbstbestimmung kleiner Einheiten garantieren, in denen verbleibende Minderheiten besser geschützt werden können. Und daraus würden sich im Sinne des Aufeinander-Angewiesenseins notgedrungen kooperative Strukturen entwickeln. Der Autor, ein profunder Kenner regionaler Gegebenheiten in allen Konfliktzonen der Welt, führt dies u. a. an der "Geografie von Pipelines" vor, die Kooperationen von Russland, China und der Europäischen Union mit Anrainerstaaten, aber auch zwischen der türkischen Mehrheit und den Kurden erfordere (wichtige Pipelines führen durch Kurdengebiete). Ähnlich sei dies im Zusammenhang mit der Wasserpolitik im Nahen Osten, die auf föderaler Basis einer engen Kooperation bedürfe.

Hans Holzinger

Wolffensohn, Michael: Zum Weltfrieden. Ein politischer Entwurf. München: dtv, 2015. 207 S., € 14,90 [D], 15,40 [A] ; ISBN 978-3-423-26075-6