Eine andere Strategie, in der Mediengesellschaft Aufmerksamkeit und damit WählerInnen zu gewinnen, analysiert der österreichische Journalist Armin Wolf.

 

Als „Image-Politik“ bezeichnet er das an Bedeutung gewinnende Phänomen des Einstiegs von Prominenten aus dem Unterhaltungs-, Sport- oder auch Mediensektor in die Politik. Die vermehrte Nominierung prominenter QuereinsteigerInnen, die in allen Demokratien zu beobachten sei und die der Autor v. a. am Beispiel österreichischer Parteien darlegt, interpretiert der US-Korrespondent des Österreichischen Rundfunks als „moderne Form politischer Kommunikation“ im Medienzeitalter, die eben mittlerweile nicht mehr auf die USA beschränkt sei. „Promis“ gelten dabei, so die zentrale These von Wolf, vor allem als „Werbeträger“ der Parteien:  QuereinsteigerInnen erfüllen demnach die Funktionen der „Aufmerksamkeitsgewinnung“, des „Image-Transfers“ und der Ansprache bestimmter, „schwer erreichbarer Segmente der Wählerschaft (vote getting)“. Für die WählerInnen erfüllten sie die früher z. B. von Ideologien und Parteiprogrammen übernommene Funktion von „information shortcuts“: „Sie vermindern Informationskosten und reduzieren Komplexität.“ (S. 19) Somit seien Promis – von Ausnahmen wie dem Österreichexport Arnold Schwarzenegger abgesehen – in ihrer Funktion als Kandidaten erfolgreicher als in ihrer Funktion als Politiker: „Viele von ihnen haben am Tag ihrer Angelobung – an dem die konkrete politische Arbeit beginnen sollte – ihre Funktion bereits erfüllt“ (ebd.).

 

Dass als Unterhaltung inszenierte Politik (siehe oben) aber auch neue gefährliche Dimensionen annehmen könnte, zeigt ein berichtetes Beispiel aus Großbritannien. Dort wurde erstmals ein Parlamentskandidat in einer casting show im Fernsehen ausgewählt. Per Televoting kürten die Zuseher mit überwältigender Mehrheit einen vorbestraften ehemaligen Rechtsanwalt zum Sieger, der in seinem TV-Wahlprogramm die zwangsweise Kastration von Pädophilen, die Deportation von Immigranten und die Freigabe aller Drogen forderte. Seine Siegesprämie: der Sender finanzierte ihm eine Kandidatur bei der nächsten Wahl zum britischen Unterhaus, die allerdings (noch) erfolglos blieb (S. 14). H. H.

 

Wolf, Armin: Image-Politik. Prominente Quereinsteiger als Testimonials der Politik. Baden:  Nomos, 2007.412 S., € 59,- [D], 60,70 [A], sFr 105,30

 

ISBN 978-3-8329-2874-2