Der hinsichtlich der globalen Population ungeheure Erfolg des Menschen hat unseren Planeten in Bezug auf die Artenvielfalt in eine Krise geführt, deren Folgen nicht absehbar sind. Als Säuger der 50-kg-Gewichtsklasse und Mitglied der ansonsten eher spärlich vertretenen Primaten hat die Gattung eine Dichte erreicht, die hundertmal höher ist als die irgendeines anderen Landtieres vergleichbarer Größe. Die Menschheit nimmt in jeder erdenklichen Beziehung eine ökologische Sonderstellung ein und eignet sich zwanzig bis vierzig Prozent der Sonnenenergie an, die terrestrische Pflanzen in organischer Substanz speichern. Das aber ist in diesem Umfang nur möglich, indem wir die Lebenschancen der anderen Arten drastisch beschneiden. Dabei ist der Aufstieg der Menschheit mit dem Niedergang der Artenvielfalt durch eine schreckliche Symmetrie' verknüpft: Die reichsten Staaten beherbergen nur noch die kleinsten und uninteressantesten Ökosysteme, während die ärmsten Nationen, bei sprunghaftem Bevölkerungswachstum und niedrigem wissenschaftlichen Kenntnisstand, die Verantwortung für die größten und reichhaltigsten Biotope tragen. Edward O. Wilson, als Professor für Naturwissenschaften an der Harvard University für seine Bücher "On Human Nature" und “The Ants" mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, eröffnet dem Leser in verständlicher Sprache Einblick in das Entstehen der Artenvielfalt und verhilft ihm zur Einsicht über die Notwendigkeit ihrer Erhaltung. Die Kombination von wissenschaftlicher Information mit plastischen Erlebnisschilderungen spricht nicht nur den Intellekt des Lesers an, sondern auch den emotionellen Bereich. Dadurch wird nicht nur die Lesbarkeit des Buches erhöht, sondern vor allem auch die Wirkung auf den Leser verstärkt. R. T.

Wilson, Edward O.: Der Wert der Vielfalt. Die Bedrohung des Artenreichtums und das Überleben des Menschen. München, Zürich: Piper, 1995. 572S.