Umweltkonflikte entzünden sich immer wieder an geplanten Eingriffen in Naturräume durch Großbauprojekte. Mit der Salzach und ihrer Talschaft besitzt auch das Bundesland Salzburg einen Naturraum, in dem unterschiedliche Nutzungsinteressen aufeinanderstoßen. Pläne über weitere Kraftwerksbauten, Sohleintiefungen durch die Regulierung und Schwallwirkung der Kraftwerke, der Schotterabbau in den Auen sowie die Intensivlandwirtschaft in den Einzugsgebieten sorgen für Konflikte. Um diese in konstruktive Bahnen zu lenken, wurde vor fünf Jahren das Projekt ”Gesamtuntersuchung Salzach". kurz "GUS", gestartet und damit ein in mehrfacher Hinsicht innovativer Weg beschritten. Neu am Konzept "GUS" ist sowohl der Wissenschaftsansatz der Interdisziplinarität als auch der Politikansatz des Runden Tisches, der so unterschiedliche Interessensgruppen wie die Elektrizitätswirtschaft und die Ökologieverbände zusammenführte. Aufgabe der ”Partnergruppen" war es, die eigenen Erwartungen zu formulieren und sich auf von allen akzeptierte Expertinnen zu einigen, die "außer _ Streit stehende Wissensgrundlagen über das Flußökosystem" erstellen sollten. Über 60 Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Disziplinen von der Botanik bis zur Raumordnung erarbeiteten in der Folge die Basisdaten zur Flora, Fauna, Flußmorphologie und Gewässercharakteristik der Salzach, aber auch zu den aktuellen Raumnutzungen und möglichen Zukunftsentwicklungen. Das Resümee der Untersuchung ist nicht überraschend: Nur mehr ein Zehntel des rund 190 km langen Gewässerlaufs der Salzach im Bundesland Salzburg wird als ”naturnah und wenig beeinträchtigt" eingestuft. Verständlich daher auch das Wunschszenario der WissenschaftlerInnen für die Zukunft: "Flächen sparen - Naturraumqualität verbessern". Neben einer Ökologisierung der Landwirtschaft und des Tourismus sowie einer vorsichtigen Siedlungsentwicklung werden auch die Revitalisierung der Fließgewässer und Augebiete, die Schaffung von Biotop-Verbundsystemen oder die Rückwidmung von Bau- in Grünland im Bereich ökologisch wertvoller Areale vorgeschlagen. Die vorliegende Publikation enthält eine ausführliche Beschreibung der Projektgenese, Stellungnahmen der Interessensgruppen sowie eine Zusammenfassung der wissenschaftlichen Ergebnisse. Detailliert sind diese in Sonderbänden sowie in einschlägigen Datenbanken festgehalten. Das Projekt "GUS" ist von seinem methodischen Ansatz her über Salzburg hinaus von Interesse. Es macht deutlich daß ökologische Herausforderungen nur auf der Basis von vernetztem Wissen zu bewältigen sind. es zeigt aber auch daß anwendungsorientierte Wissenschaft keineswegs auf Industrieforschung beschränkt bleiben muß. H. H.

GUS - Gesamtuntersuchung Salzach. Der Bericht Interdisziplinäre Forschung. Atzmanstorfer, Edgar ... (Miterb). Hrsg. v. d. Kammer f. Arbeiter u. Angestellte Salzburg. Salzburg: EigenVerl., 1997. 238 S.

 

Weiterführender Literaturhinweis: Eine vom Österr. Ökologie-Institut unter Mitarbeit von Öko-Consult erstellte Studie widmet sich der Konfliktregelung bei ausgewählten umweltrelevanten Projekten. Endbericht. Binder, Andrea ... (Mitarb). Hrsg. v. Österr. Ökologie-Institut. Wien. 1996. 155 S.