„Früher war“, - so hieß es ehedem, „das Leben einfacher“. Freilich ist das ein Generationen übergreifender Topos, kaum geeignet, die realen Lebensbedingungen junger Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts gehaltvoll zu beschreiben. Und doch lassen sich so auch die Befunde der in dieser Studie aufbereiteten Daten und Fakten, aus langjähriger pädagogischer Arbeit gewonnene Erfahrungen und von Jugendlichen der „Generation A - Z“ formulierte Eindrücke auf den Punkt bringen.

 

Was sind nun die Herausforderungen, denen die „Generation Globalisierung“ gegenübersteht. Zum einen hat die Autorin, unterstützt von einer Reihe von ExpertInnen, insgesamt zwölf Jugendliche zu einer „Schreibwerkstatt“ eingeladen. Zu Papier gebracht und ausführlich diskutiert wurden Fragestellungen rund um das Thema Energie - von den Risiken der Atomwirtschaft bis hin zu Erwartungen in Richtung einer Politik und Wirtschaft, die dem Postulat der Zukunftsverträglichkeit oberste Priorität einräumen. Aktionistische Akzente - Gespräche mit MitschülerInnen, Plakate, Bürgerbefragungen und ein Schreiben an den Bundesumweltminister – unterstreichen das Anliegen.

 

Den bei weitem größten Anteil an der Publikation nehmen grundlegende Faktoren des persönlichen und/oder kollektiven Gelingens nachhaltiger Lebensgestaltung ein. So geht es etwa um „privates Selbsthilfepotenzial“ (strukturelle Bedingungen von „Familie“), um „Motive und Motivation“, um „Inklusion und Diversität“ (Globales Lernen zwischen Selbstbegrenzung und Normverlust) oder um „Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer“ oder um „Modelle und praktische Handlungsfähigkeit“.

 

Nur bedingt gelingt es der Autorin, Erfahrungen aus der pädagogischen Alltagsarbeit mit vielschichtigen und durchwegs auch komplizierten theoretischen Fragestellungen nachvollziehbar zu verknüpfen. Prägnante Befunde verdienen jedoch in den Blick genommen und weiter diskutiert zu werden.

 

Ungebrochen prägt das Bild der „Ernährerfamilie“ mit maximal zwei Kindern die Zukunftserwartung auch junger Menschen. 71 % der Jungs, und 81 % der Mädchen fühlen sich in ihrer Familie geborgen und wünschen sich selbst, diese Form des Miteinanders als Erwachsene fortzusetzen. Nicht unbegründet erscheint die Annahme, dass diese Erwartung „eine gewisse Hilflosigkeit gegenüber den großen globalen Herausforderungen“ signalisiert (vgl. S. 38). Andererseits spricht manches dafür, „dass das Verhältnis zwischen ‚privat‘ und ‚öffentlich‘ neu definiert wird“, postuliert die Autorin, und nennt das reale gemeinschaftliche Kochen als Ersatz für kulinarisch ambitionierte Fernsehformate. Nicht minder sind Eltern in ihrer Aufgabe heute in besonderer Weise gefordert und belastet, sei es doch geradezu selbstverständlich, „verunsichert zu sein“ (S. 42).

 

 

 

Auf das praktische Tun kommt es an

 

Wo Kinder zu einem „ambitionierten Projekt“ werden, „das vor allem durch Bildung gelingen und nach außen glänzen soll, werden alltagspraktische Fähigkeiten und Fertigkeiten unterbewertet“ (S. 42), konstatiert die Autorin. Das signifikant wachsende Interesse an partizipativen und von praktischem Tun geprägten Schul- und Unterrichtsformen mache hingegen deutlich, dass die „Generation Globalisierung“ die Vorzüge einer technisch aufbereiteten, spontan und zu jederzeit verfügbaren Welt zwar schätzt, zugleich aber großen Wert darauf legt, verantwortungsvoll für die Gesellschaft tätig zu sein. „Ich kann – in echt“, das bringt auf den Punkt, was rund 90 % der „Generation Globalisierung“ in ihrem beruflichen Alltag leben wollen (vgl. S. 124). Von Egotrip pur also keine Spur!

 

Alles in allem freilich ist der Gesamtbefund ambivalent: Junge Menschen sind unbekümmert und hoffnungsvoll (sofern es um ihre Familie und ihre privaten Zukunftserwartungen geht), zugleich aber oft verunsichert und verzagt im Hinblick auf ihre gesellschaftliche und politische Zukunft. Dass sie darauf unterschiedlichste und - zumindest auf den ersten Blick - scheinbar unvereinbare „Lösungsstrategien“ entwerfen, sollte nicht allzu sehr überraschen.    Walter Spielmann                                                

 

Gebhardt-Eßer, Ute: Generation Globalisierung. Nachhaltigkeit im pädagogischen Alltag.

München: ökom Verl., 2013. 200 S., € 19,95 [D],

20,50 [A], sFr 29,90

ISBN 978-3-86581-400-5