Die drei Autoren haben Analysen, Überlegungen und Vorschläge zu einem neuen sicherheitspolitischen Denken und Handeln zusammengetragen. Gemeinsam ist ihnen   die Annahme, dass Wettrüsten die Gefahr der Austragung von Konflikten mit militärischen Mitteln steigert und dass auch die atomare »Abschreckung« der Dynamik von Drohung und Gegendrohung unterliegt. Entwickelt werden nicht Vorschläge zur nuklearen Abrüstung der Großmächte, sondern mögliche Strategien für in der Tat defensive Sicherheitskonzerte, die einzelnen Staaten mehr Autonomie und differenziertere Selbstschutzmöglichkeiten gewähren sollen. Diese schließen militärische Verteidigung nicht aus, betrachten sie aber als letzte Komponente eines Sicherheitssystems. Generell ausgeschlossen wird die Verteidigungsfähigkeit im Nuklearkrieg. Die Vorschläge im Einzelnen reichen von der Forcierung der internationalen Kooperation (etwa der Errichtung neuer, globaler Einrichtungen) über Methoden politischer Konfliktlösung bis hin zu nicht-militärischen Selbstschutz-Maßnahmen wie »Ausbau der wirtschaftlichen Autonomie- oder dem Aufbau einer »Sozialen Verteidigung« (Fischer). Notte entwirft das Konzept einer "Autonornen Abwehr", dem defensives Denken zugrunde liegt. U.a. werden Bevölkerungsschutz, nicht-militärische und damit »Zerstörungsattraktivität« mindernde Städteverteidigung (ziviler Ungehorsam bei Besetzung) sowie militärische Räumeverteidigung (unter Bezugnahme auf das österreichische Modell) näher ausgeführt. Schließlich entwickelt der dänische Friedensforscher Jan Oberg einen sehr umfassenden Begriff von Sicherheit, der mehr noch als durch Bedrohungen von außen vom Zustand der Gesellschaft im Inneren bestimmt ist. Er fasst »Friede« bewusst weit, nämlich in Anlehnung an Johan Galtung als internationalen Abbau von Herrschaftsstrukturen und Abhängigkeiten (etwa in Bezug auf die Dritte Welt).  Das Motto der Friedensbewegung »Frieden schaffen ohne Waffen« ist als moralische Leitidee durchaus legitim, doch lässt sich damit schwer aktuelle Sicherheitspolitik mitbestimmen. Daher ist es wichtig, dass Konzepte alternativer Sicherung entworfen werden, die der militärischen Verteidigung nicht zur Gänze eine Absage erteilen und doch der Aggressivität gegenwärtiger Wettrüstungspolitik glaubhafte, annehmbare und dadurch politisch mehrheitsfähige Alternativen entgegenstellen. Das vorliegende Buch lässt sich auf diesen Kompromiss ein, macht viele konkrete Vorschläge (unter breiter Verarbeitung-internationaler Literatur) und erlangt gerade dadurch Aktualität, dass es sich um die Ausformulierung von politisch »Machbarem« bemüht. Abrüstung meint dabei nie das gegenseitige Feilschen um Stückzahlen, sondern bewusste Entscheidungen von Staaten zu radikal defensivem Sicherheitsdenken und -handeln. Dass europäische Staaten hier beispielhaft vorangehen könnten, liegt den Ausführungen als Hoffnung zu Grunde. Die Autoren eröffnen in der Tat neue Dimensionen des Zieles »Sicherheit«, sie berühren politische, militärische, psychologische, philosophische wie kulturelle Aspekte, allein der materialistische Ansatz und damit die Berücksichtigung der ökonomischen Fragen (etwa der Interessen der Rüstungsindustrie) wird vernachlässigt. Dies ist als Manko festzuhalten.

Fischer, Dietrich; Oberg, Jan; Nolte, Wilhelm: Frieden gewinnen. Freiburg i. Br.: Dreisam, 1987. 272 S.