Die Frauenbewegung mit ihren Angeboten und Einrichtungen befindet sich im Stadium massiver Veränderungen: von der Bewegung zur Institution, von der Initiative zur Professionalisierung. Wie sich dies in Bereichen wie Frauenhäusern, Bildungsangeboten und Beratungstätigkeit niederschlägt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben, erhob Frau Brückner mit einem großen Mitarbeiterinnenteam mittels Befragung der Projektbeteiligten und Beobachtung der Arbeit. Dabei wurde u. a. die Notwendigkeit zur Veränderung von pragmatischen Erfordernissen wie der Finanzbeschaffung und der Alltagsbewältigung deutlich. Ergebnis der Veränderung ist ein Weg vom "Anderssein" der Projektarbeit zum "Gleichsein" mit anderen "etablierten" Institutionen, von denen sich die Projekte ursprünglich ja abheben wollten. Diese Verläufe können dann zur Option auf die Zukunft werden, wenn der Dualismus aufgegeben wird und die Frauengruppierungen eine kritische Position innerhalb der Gesellschaft einnehmen, so Brückner gegen Ende ihres Buches. Dies bedeutet in der praktischen Arbeit, manche aufgegebenen oder verlorenen Errungenschaften und Standpunkte wieder "auszugraben", kritisch zu überdenken und, gegebenenfalls funktionalisiert, wieder aufzugreifen. Dies zeigt das Beispiel “Hausversammlungen " in Frauenhäusern: Ursprünglich waren diese Hausversammlungen als wichtigstes demokratisches Entscheidungs- und Planungsgremium installiert worden. Aufgrund alltäglicher Abläufe und schwindendem Beteiligungsinteresse der Mitbewohnerinnen verlor die Einrichtung verschiedenerorts stetig an Bedeutung. Sie sollte jedoch als selbstverständlicher Teil der demokratischen Kultur eines Hauses mit all ihren kommunikativem und sozialem Lehrpotential für alle Beteiligten wiederbelebt werden. Auch Uschi Fellner gründet ihre Vorschläge für die Zukunftsgestaltung für Frauen auf Rückfragen bei Betroffenen, konkret auf Fragebögen in der Zeitschrift "News", womit sie freilich nur ein Segment von Frauen erreicht. So ist es nicht weiters überraschend, daß sich die hier zur Diskussion gestellten Zukunftsperspektiven auf, wenn auch nicht unwichtige, Haushalts- und Kinderunterbringungsstrategien für (akademische) Doppelverdiener konzentrieren. S. Sch.

 

Brückner, Margit: Frauen- und Mädchenprojekte. Von feministischen Gewißheiten zu neuen Suchbewegungen. Opladen: Leske & Budrich, 1996.306 S., 

Fellner, Uschi: "Die Zukunftsfrau. Leben, Liebe, Arbeit im Jahr 2000. Wien (u.a.): Orac-Verl.,1996