Achtzig Jahre nach Öffnung der Technischen Hochschulen für Frauen sind von 80.000 Mitgliedern des Verbandes deutscher Ingenieure nur 400 Frauen. Besorgniserregend, wenn Frauen auf die aktive Gestaltung der technischen Zivilisation so gut wie keinen Einfluss nehmen. Woran liegt das? Empirische Basis für das vorliegende, faszinierende Buch bilden mehr als 100 ausführliche Interviews mit Studentinnen und Erwerbstätigen der Fächer Elektronik und Maschinenbau in Aachen und Berlin. Gibt es einen bestimmten »Typ«, besondere Voraussetzungen für diesen weit überdurchschnittlich männerdominierten Beruf? Durch welche Vorurteile und Barrieren ist Frauen der Zugang erschwert? Die Autorinnen fragen nach Kindheit und früher Jugend der Ingenieurinnen, nach Schule, Universität und Beruf. Es zeigen sich überdurchschnittlich viele Ähnlichkeiten. Die meisten Befragten empfanden die Ehe der Eltern als harmonisch, spielten lieber in Gruppen, meist mit Jungen, orientierten sich eher am Vater und seiner Arbeit als an der Mutter. In der Schule ist eine eindeutige Präferenz für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich unverkennbar. Auch die Ausübung verschiedener Sportarten ist mit 75 % in dieser Gruppe überdurchschnittlich hoch. Dem Eintritt in die Universität folgt bei den meisten Frauen ein Schock: die Erwartungen an die eigene Leistungsfähigkeit werden unterhöhlt, sie unterstellen männlichen Kommilitonen fälschlicherweise größere Vertrautheit mit technischen Geräten und dazu gesellt sich der Legitimationsdruck, sie fühlen kein „Gewohnheitsrecht“ auf Anwesenheit im Bereich Technik, was sie auch durch vielerlei Diskriminierungen verstärkt erfahren. Spätestens jetzt beginnen sie auch in Kleidung und Haartracht zwischen privat und Universität zu trennen, bis ihnen im Lauf der Zeit die zitierte Elefantenhaut gewachsen ist, und sie gelernt haben, wo die Grenzen der Akzeptanz liegen. Als sozialer Erfahrungsraum für Frauen ist diese Studienrichtung nicht unproblematisch, und »es ist anzunehmen, dass viele tägliche Diskriminierungen ausgeblendet werden (müssen), um den Studienerfolg nicht in Frage zu steilen.« Auch der Einstieg ins Berufsleben ist erschwert. Durch Erfahrungen gewitzt, werden in Bewerbungsschreiben oft vorsichtshalber nur Initialen statt des weiblichen Vornamens angegeben. Eine Ingenieurin erzählt, dass viele ihrer Bewerbungsschreiben einfach lakonisch mit der Begründung »Wir glauben, dass Sie für diesen Beruf nicht geeignet sind«, abgefertigt wurden. Andere Stellen, die speziell für Frauen ausgeschrieben waren, erwiesen sich als so unattraktiv, dass dafür kein Mann hätte gewonnen werden können, oder die Einstellung einer Frau sollte -das Betriebsklima verbessern«, bzw. »Offenheit« in der Personalpolitik alibihaft demonstrieren. Nur eine der befragten Ingenieurinnen ist Abteilungsleiterin, eine Oberingenieurin - obwohl viele der Frauen über zehn Jahre Berufserfahrung haben. Hürden im Beruf sind keineswegs fachlich-technische Anforderungen, die Provokation liegt vielmehr in der Infragestellung auf sozialer Ebene. Mobilisieren Frauen dennoch Ressourcen wie Kompetenz, Position, Macht, so ist dieser Zuwachs begleitet von einem Verlust an persönlicher Attraktivität, sozialer Isolation, höherer Arbeitsbelastung und niedriger Arbeitszufriedenheit; während bei Männern tendenziell das Gegenteil der Fall ist. Der Druck zur Überanpassung an die Normen der Profession ist groß, insbesondere, wenn es um Aufstieg geht. Somit stellt sich nicht die Frage nach der Bewährung der Frau in diesem Beruf, sondern nach der Bewährung des Berufes für Frauen.  Empfehlungen zur Verbesserung der Zugangschancen und Anregungen für weitere Forschungen ergänzen dieses zukunftsorientierte Buch. Die Studie ist ein wichtiger Schritt, Frauen zum Ingenieurinnenstudium zu ermutigen, Ansätze zu strukturellen Verbesserungen aufzuzeigen, und Angst vor dem Vordringen der Frauen in Männerdomänen abzubauen. 

Janshen, Doris (u.a.): Ingenieurinnen. Frauen für die Zukunft. Berlin; New York; de Gruyter, 1987.381 S.