Fred Pearce

Fallout

Ausgabe: 2020 | 3

Es überrascht nicht, dass Robert Jungk und sein erstmals 1956 erschienenes Buch Heller als tausend Sonnen in der Quellenangabe einer Abhandlung über das Atomzeitalter zu finden sind – diese Info entdecken wir bei prozukunft bzw. der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen natürlich auf Anhieb. Jungk interviewte Atomforscher des 20. Jahrhunderts und schuf so ein „lebendiges, wenn auch beklemmendes zeitgeschichtliches Dokument über die Geschichte der Atombombe“, das schrieb Hans Holzinger vor einigen Jahren in diesem Magazin. Ein lebendiges, wenn auch beklemmendes zeitgeschichtliches Dokument liefert nun ebenso Fred Pearce mit Fallout. Indem der Journalist eine „Entdeckungsreise auf der Suche nach dem radioaktiven Erbe des nuklearen Zeitalters“ unternimmt (S. 12.), wählt er eine andere, relevante, ergänzende Perspektive. 

Pearce besucht diverse Orte wie Hiroshima, Tschernobyl oder Fukushima, um die bekanntesten zu nennen. Er taucht in Historie ein, trifft auf Menschen, durchstreift Landschaften und baut aus diesen Elementen eine interessante, aber eigentlich sehr traurige Reportage, denn: „Die Geschichte des Atomzeitalters ist eine Tragödie: Sie erzählt von Arroganz und Hochmut, von ungerechtfertigtem und verspieltem Vertrauen.“ (S. 298)

Viel wurde geheim gehalten, verpfuscht und vertuscht, wenn es um Atomwaffen und Atomkraft geht. Die Folgen für Betroffene werden nicht zuletzt durch Einzelschicksale so porträtiert, dass sich das statistische Zahlenmeer zu einer schemenhaften, natürlich nie vollständigen, aber emotional besser wahrnehmbaren Gestalt formiert.

Im Zuge seiner Recherchen häufen sich für Pearce Hinweise, dass die zivile Nutzung der Atomkraft für Mensch, Tier und Umwelt weit weniger gefährlich ist als oftmals postuliert, aber eine vernünftige Diskussion, frei von Polarisierung, unmöglich scheint. „Die eine Seite verneint, dass es überhaupt etwas zu diskutieren gibt; der anderen fehlt oft der nüchterne Blick auf das tatsächliche Ausmaß der Gefahr.“ (S. 120) Pearce hält gerade ob dieser fehlenden konstruktiven Auseinandersetzungen Kerntechnik für Demokratien schlicht untragbar. 

Und dann ist da ja noch die Sache mit dem Atommüll. Auch hier ist die Publikation eine gute Erinnerung, dass notwendige Diskurse noch längst nicht abgeschlossen sind.