„Endlich im Endlichen“ – so der verheißungsvolle Titel eines Essays des Nachhaltigkeitsökonomen Fred Luks, der unterschiedliche Assoziationen weckt. Selbstverständlich geht es um die Grenzen der Ressourcenausbeute. Doch es schwingt in diesem Ausruf auch etwas Hoffnungsvolles mit, eine Chance, die sich aus der Begrenzung ergeben könnte. Man kann an Gerhard Schulze denken, der uns [in „Die beste aller Welten“] die Beendigung des „Steigerungsspiels“ und das Erlernen des „Ankommens“ empfiehlt. Bei Wortspielen mit der Endlichkeit sind freilich auch Assoziationen zum Tod und seiner Verdrängung angesagt. Von alldem und von noch mehr handelt das vorliegende Buch. Und wie der Untertitel andeutet, sind es insbesondere zwei Dinge, die dem Autor im Kontext des Diskurses über Nachhaltigkeit wichtig sind: Großzügigkeit und Ironie.

 

„Kultur der Gabe“

 

Großzügigkeit dürfe dabei nicht verwechselt werden mit Maßlosigkeit oder Verschwendung, sondern bezieht sich auf eine andere Lebensqualität: „Gut mit einander umgehen, Achtsamkeit zeigen, Freundschaften zu pflegen sind ´Dinge´, die sich durch großzügigen Gebrauch nicht verknappen, sondern vermehren.“ (S. 267) Mehr Effizienz könne uns, wenn überhaupt, nur bedingt der „Weltrettung“ näher bringen, so Luks mehrfach. Es gehe darum, unser Wünschen und Wollen möglichst immateriell zu befriedigen. Dass hier bereits viel vorgedacht wurde, belegt der Autor mit Beispielen wie der „Kultur der Gabe“ von Marcel Mauss oder der „Stone Age Economy“ von Marshall Shalins, der gemäß die Jäger und Sammler vielleicht freier waren als wir heute. Luks will freilich nicht, dass wir in die Steinzeit zurückkehren, aber Technik und Wirtschaft allein würden uns nicht mehr weiterbringen, so seine Überzeugung. Sich allein auf eine Effizienzrevolution zu verlassen, sei „russisches Roulette“ (S. 90). Die Wirtschaft müsse wieder auf ihren Platz verwiesen werden: „Wir werden un-ökonomischer werden müssen, um nachhaltig gut zu leben.“ (S. 267) Eine Post-Wachstums-Ökonomie werde Fülle ermöglichen im Sinne von „Muße und Maß“ (S. 93).

 

Und zur Ironie. Die „Rettung der Welt“ erfordere Ernst und Gelassenheit, auf keinen Fall aber übersteigertes Pathos oder Fundamentalismus. Auch unser Denken und Reden über Nachhaltigkeit müsste in deren Kontingenz, als in der historischen Bedingtheit, gesehen werden. Dazu gehöre auch die ironische Einschätzung des eigenen Tuns: „Skeptisch zu sein gegenüber den Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen und trotzdem zu agieren in der Hoffnung, dass man selbst etwas ausrichten kann – das wäre ein möglicher Ansatz von Ironie für die Rettung der Welt.“ (S. 264) Und ganz wichtig: „Spielraum zu lassen für Nachdenken“, um dem Aktivismus und Innovationszwang entgegenzuarbeiten. „Zugespitzt: Resilienz statt Heldentum.“ (S. 109) Auch daraus spricht Ironie!

 

Großzügigkeit und Ironie durchziehen schließlich den Text selbst. In lose aneinander gereihten Kapiteln, ausstaffiert mit zahlreichen Zitaten vor allem aus der Kultur- und Geistesgeschichte (und weniger aus den Wirtschafts- und Umweltwissenschaften), macht uns der Autor deutlich, worauf es ihm ankommt. Er zeigt eine grundsätzliche Richtung an, in die es gehen könnte bzw. sollte. Konkrete Handlungsanleitungen an Politik oder Wirtschaft darf man sich nicht erwarten. Könnte Großzügigkeit etwa heißen Grundeinkommen für alle? Oder die Zurückdrängung des Ökonomischen das Wiederaufleben von Gemeinschaft? Oder Postwachstumsökonomie die drastische Verkürzung der Erwerbsarbeitszeiten bei gleichzeitiger Umverteilung des Erwirtschafteten? Wie der (zu Recht herausgestellten) Einladung zu einer anderen Kultur der Großzügigkeit sowie einem Leben in Fülle jenseits des Konsumismus mit entsprechenden politischen Anreizbedingungen „nachgeholfen“ werden können, bleibt weiteren Diskussionen vorbehalten. Dazu lohnt es aber allemal, dieses Buch zu lesen! H. H.

 

Luks, Fred: Endlich im Endlichen. Oder: Warum die Rettung der Welt Ironie und Großzügigkeit erfordert. Marburg: Metropolis, 2010. 261 S., € 18,- [D], 18,50 [A], sFr 31,50

 

ISBN 978-3- 89518-704-9