Wie integriert der ökonomische "Mainstream" die Umweltproblematik in sein wissenschaftliches Gebäude? Nach einer knappen, prägnanten Darstellung mikroökonomischer Grundlagen zeigt Endres, dass "externe Effekte" Anknüpfungspunkt für die Umweltökonomie sind. Darunter sind unbeabsichtigte Nebenwirkungen von Produktion und Konsum zu verstehen, die von dritten als unangenehm (negativ externe Effekte) bzw. angenehm (positive externe Effekte) empfunden werden.

Externe Effekte sind Ausdruck von Marktversagen, weil die Betroffenen dafür nicht entschädigt werden bzw. nichts für die angenehmen Effekte zu zahlen haben. Ambitiöses Vorhaben einer ökonomischen Theorie der Umweltpolitik ist es nun, externe Effekte zu internalisieren, d. h. Strategien zu entwerfen mit dem Ziel, die Fähigkeit des Marktsystems zur Erzeugung volkswirtschaftlich optimaler Gleichgewichte wiederherzustellen. Als Lösungsansätze werden Verhandlungen zwischen Verschmutzern und Geschädigten, die Einführung einer" Pigou-Steuer" und eine adäquate Ausgestaltung des Haftungsrechts diskutiert. Da eine vollständige Internalisierung von externen Effekten nur selten möglich ist, ist es sinnvoll, von der Gesellschaft als wünschenswert erachtete Umweltstandards mit einem Minimum an Kosten anzustreben. Wiederum führt Endres drei Strategien an (Umweltauflagen, Umweltabgaben und Umweltzertifikate) und analysiert diese eingehend in Bezug auf ihre wirtschaftliche Effizienz, auf die von ihnen ausgehende Anreizwirkung für Produzenten und Konsumenten, auf wettbewerbspolitische Aspekte und insbesondere auf ihre ökologische Treffsicherheit. Der Text ist als Einführungslehrbuch konzipiert und als solcher auch für interessierte Nicht-Ökonomen gut lesbar. Er verzichtet auf mathematische Ausdrucksformen, und die graphischen Darstellungen sind überwiegend anschaulich. Vor- und Nachteile der einzelnen umweltpolitischen Strategien werden differenziert beschrieben, hervorzuheben im Vergleich zu ähnlichen Werken ist die ausführliche ökonomische Analyse des Umwelthaftungsrechts. Angesichts der Einführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen überrascht hingegen, dass dem Thema „Umweltauflegen" kaum zwei Seiten gewidmet sind. Kritisch anzumerken ist zudem, dass die makroökonomische Perspektive zu kurz kommt: Zusammenhänge zwischen Umwelt- und Beschäftigungsproblemen bleiben ebenso ausgespart wie die Wachstumsdiskussion (Stichwort: sustainable development). Wurde darauf verzichtet, weil auch die Diskussion um die ökonomische Erfassung und Bewertung der Umwelt sich im Buch auf die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten für Umweltgüter beschränkt? Damit bleibt leider jener wichtige Bereich des Konflikts zwischen (herrschender) Ökonomie und Ökologie unerwähnt, der sich etwa in der (Nicht-)Berücksichtigung von Umweltaspekten bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts zeigt mit all seinen Konsequenzen für die Wirtschafts- und Umweltpolitik.

W Sch.

Endres. Alfred: Umweltökonomie. Eine Einführung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1994. 1945., DM 38,-/ sFr 35,-/ öS 297