In der Tat Zukunftsweisendes enthält dieser Schwerpunkt der Zeitschrift "Zukünfte", in dem nach neuen ökologischen Lebensstilen Ausschau gehalten wird. Wenn Willy Bierter, Berater der Freiburger Syntropie-Stiftung für Zukunftsgestaltung und Mitglied der Arbeitsgruppe "Neue Wohlstandsmodelle" des Wuppertalinstituts für Klima, Umwelt und Energie, in Anlehnung an Michel Foucault vom "Experiment des Andersdenkens und Anderslebens" als Moment des Politischen spricht und die “Selbstsorge" der Menschen für die Zukunft einfordert, dann stellt er in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext, was mit AIternativbewegung und alternativen Projekten seit Jahrzehnten im Nischendasein existiert. Dass die Suche nach Lebens-, Arbeits- und Kommunikationsformen jenseits des "konsumistischen Modells" als politische Perspektive an Bedeutung gewinnt, bezeugt u.a. ein Beitrag über “Entwicklunqsprojekte für zukunftsfähige Lebensweisen im Norden", der den Diskurs über die Nord-Süd-Problematik bewusst umkehrt ("Der Norden ist das Problem").

Die Umweltpsychologin Sigrun Preuss macht deutlich, dass sich ein "pro-ökologischer Lebenstil" nicht durch Antrainieren einzelner ökologischer Verhaltensweisen erreichen lässt, sondern nur aus einer ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung, in der offensichtlich naturbezogene Sozialisation in der Kindheit eine größere Rolle spielen, als gemeinhin angenommen wird. Mehr öffentliche Debatte darüber, was ein "gutes Leben" ausmacht, und die Ausrichtung von Wirtschaft und Politik nach den menschlichen Bedürfnissen und nicht umgekehrt, fordert einmal mehr der Soziologe Otto Ullrich. Er plädiert u. a. für eine "schrittweise Zurückdrängung der Lohnarbeit", um die Eigenarbeit aufzuwerten.  

Dass die aus der Soziologie kommende Lebensstilforschung nun für die Zukunftsforschung fruchtbar gemacht wird (am Sekretariat für Zukunftsforschung wurde ein eigenes Forum eingerichtet), liegt nahe, können so doch - nach dem Ende der großen GeseIlschaftsentwürfe - Perspektiven einer Veränderung " von unten" nicht nur gedacht, sondern auch gelebt werden. Die Beiträge dieses Heftes sind Anregung genug, in dieser Richtung weiterzuarbeiten.

H.H.

Hinweis: Das Erscheinen der Zeitschrift ZUKÜNFTE wurde mit der Ausgabe Nr. 57 im Jahr 2008 eingestellt.

www.netzwerk-zukunft.de/index.php/ueber-zukuenfte.html

Das "einfache " Leben. Auf der Suche nach neuen Lebensstilen. In: Zukünfte. Hrsg. v. Sekretariat für Zukunftsforschung / Gelsenkirchen. 4. Jg. (1994), Nr. 8, DM 15,-/sFr 13,80/öS 117