Hannes Werthner

Digitaler Humanismus

Ausgabe: 2026 | 1
Digitaler Humanismus

Künstliche Intelligenz ist mittlerweile allgegenwärtig. Wir haben uns schon fast daran gewöhnt mit KI-Modellen zu interagieren, aber gleichzeitig sind viele Fragen zur Anwendung und dem Einfluss dieser Technologien ungeklärt. Hannes Werthner leitet in diesem Buch mit dem Digitalen Humanismus zu einem Lösungsansatz hin und zeigt dabei auf, dass der Ursprung dieser Fragen nicht bei KI, sondern in einer nach wie vor unaufgearbeiteten Digitalisierung liegt.

Werthner führt seine Leser:innenschaft in diese Perspektive ein, indem er nach einer kurzen Einführung in die Künstliche Intelligenz zu einer historischen Beschreibung der Informatik und des Internets überleitet. Dabei macht er klar, dass sich schon vor 80 Jahren gefragt wurde, wie Technologie am Menschen und nicht der Mensch an der Technologie ausgerichtet werden kann. Dass diese Fragen damals unbeantwortet blieben, führt uns zur heutigen Debatte.

Als prominentes Beispiel dafür diskutiert er die Tragweite der Informationstechnologie und Plattformökonomie, welche wir heute in Form von Firmen wie Amazon oder Meta wahrnehmen. Diese Institutionen existieren praktisch als Marktplatz, dem es egal ist, welche Güter über ihn gespielt werden. Es ist der Stand am Markt, die Plattformfunktion, die sie zur Verfügung stellen, womit sie sich von den gehandelten Produkten und Inhalten ihres eigenen Markts distanzieren. Informationstechnologie funktioniert mit diesem Markt als ermöglichende Instanz, sowohl für positive wie negative Prozesse. Der IT kommt damit aber noch keine neutrale Rolle zu. Durch die Relevanz, immer am neuesten und größten Markt teilzunehmen, wächst der Einfluss der Plattformen in diesem System stetig, was nicht nur zu den Oligopolen der heutigen Technikindustrie führt, sondern auch die Ungleichstellung in der Gesellschaft befeuert.

Werthner möchte, dass wir dieser Problematik begegnen, indem wir den vor 80 Jahren gestellten Fragen nicht länger ausweichen. Digitale Technologien müssen sich am Gemeinwohl, der Demokratie und Werten der Inklusion orientieren. Sie müssen die Privatsphäre und Grundrechte der Bevölkerung wahren, sowie durch Regulierungen gelenkt werden, die von Behörden und nicht durch Technikmonopole verhandelt werden. Dies sind die einfachen Antworten, die der Digitale Humanismus hierfür hervorbringt, ohne misszuverstehen, dass die Umsetzung um vieles komplizierter ist.