Der Dialog von Angesicht zu Angesicht wird mehr und mehr von Informations- und Kommunikationstechnologien wie Videokonferenz, interaktive Lernsysteme und Telefax ersetzt. Ein radikaler Wandel der Formen und Möglichkeiten der Verständigung ist im Gange. Kennzeichen der Informations- und Kommunikationsgesellschaft ist, "daß der größte Anteil der arbeitenden Bevölkerung mit der Erzeugung, Verwaltung, Verarbeitung und kommunikativen Umsetzung von Informationen beschäftigt ist". Wie bei jedem Werkzeug handelt es sich auch hier um "Materialisierungen kommunikativer Beziehungen und Prozesse". Indem Sprache, Kommunikation und Information zu technisch optimierten Wirtschaftsgütern werden, entstehen veränderte Sichtweisen der Beurteilung von Kommunikation." Dadurch ändert sich die gesamte sprachliche Situation in unserer Gesellschaft. Eben genau diese Veränderungen des Denkens und Redens über Sprache sind Thema des vorliegenden Buches. Ein Aufriß zur Geschichte der Schrift dient als Fundament der Analyse, wobei sie als "bisher erfolgreichster Versuch der Technisierung von Kommunikation" gewertet wird. Dann wird untersucht, wie Technologien Sprache und Kommunikation strukturieren und formatieren. Dabei stellt sich heraus, daß sich Sprache schon immer dem Medium anpassen mußte. Dies führt in Folge zu einer Systematik der technischen Transformation von Sprache. Anhand der wichtigsten Technologien wird die Vereinnahmung der Sprache thematisiert. Dabei geht es auch um die Sprache, mit der sich die Personen, die mit den Technologien zu tun haben, über ihr technisch vermitteltes Handeln verständigen Ergebnis dieser Entwicklung ist eine diffuse Mischung aus verdinglichender Sichtweise für soziale Zusammenhänge und anthropomorphisierendem Reden über Maschinen. Für Weingartner bleibt der zwischenmenschliche Dialog die Ausgangsbasis, "dessen Möglichkeiten es mit allen Hilfen der Technik wahrzunehmen gilt.

Weingartner, Rüdiger: Die Verkabelung der Sprache. Grenzen der Technisierung von Kommunikation. Frankfurt/M.: Fischer, 1989. 138 S.